Die Kleinstädter: Thomas Meinhardt, Lisa Wagner, Gerd Lohmeyer (liegend), Markus Fennert, Lena Dörrie (v.li.). H. Lobinger

Eine Glanzleistung

München - Ulrike Arnold inszenierte fürs Metropoltheater Dylan Thomas‘ „Unter dem Milchwald“. Lesen Sie hier die Kritik.

Das Städtchen Llaregyb wurde von Dylan Thomas erfunden. Aber die Einwohner, denen der große walisische Autor in seinem Hörspiel „Unter dem Milchwald“ für einen einzigen sonnenüberstrahlten Frühlingstag seine Sprache gibt, sind waschechte Typen. Und wie die über vierzig (!) Llaregybber in der Regie von Ulrike Arnold jetzt (Theater-)Fleisch auf die Knochen kriegen, ist wieder ein Vergnügen, das so ganz Jochen Schölchs Freimanner Metropol-Bühne würdig ist. Drei Monate nach Thomas’ Tod 1953 wurde das „Spiel für Stimmen“ am 25. 1. 1954 vom Auftraggeber BBC gesendet (die Urlesung 1953 in New York) – ein in zehn Jahren geschmiedetes, wortgewaltiges Werk, das Puristen ausschließlich als „Stimmenspiel“ belassen wollen. Unsinn. Die Figuren und ihr Liebesleben – und um diese wichtige Sache geht’s hier – sind ja karikaturnah genug skizziert. Und da haben fünf Erzkomödianten nur auf fantasievoll schräge Ausmalung gewartet. Die hinreißend wandelbare Lena Dörrie (2006 Merkur-Förderpreisträgerin als Nachwuchsschauspielerin), Schölchs langjährige Weggefährten Markus Fennert, Gerd Lohmeyer und Thomas Meinhardt sowie Lisa Wagner, zuvor am Bayerischen Staatsschauspiel.

Julia Ströder hat ihnen mit ihrem vorne offenen Wohnkubus auf drehbarem Rundpodest eine ideal enge Kleinstadt gebaut. Hier spielen die fünf mit temporeichem Witz und Charme: die Hassliebe zwischen Schulrektor Pugh und Nörgelgattin, das rein platonische Pärchen Mog Edwards und seine Myfanwy, den Bigamisten Dai Bread, den puritanischen Schuster Jack, den „allwissenden“ Postler Willy Nilly, die beiden Erzähler, den Nachbarstratsch und und und. Fast wie im Boulevard raus und rein durch Tür und Fenster, bauchtanzend und gekreuzigt an der Wand, kämpfend und kuschelnd – durchgehend herrscht Aktion hoch drei. Eine Glanzleistung.

Einziger Abstrich – dass nicht gestrichen wurde. Über zwei pausenlose Stunden hinweg ist es einfach zu viel des Guten. Das hätte Arnold, bestens bekannt als Schauspielerin, die schon einige Regie-Erfahrung hat, wissen müssen.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen

bis 28. Februar (nicht täglich); Tel. 089/ 32 19 55 33.

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