Interview zum Konzert

Wie eine Hallmaschine

Daniel Müller-Schott über sein Cello, die Vermarktung von Künstlern und „Rhapsody in School“

Das ist schon paradox: Obwohl Daniel Müller-Schott gebürtiger Münchner ist und hier lebt, steht er erst jetzt vor seinem Debüt mit einem Münchner Orchester. Dabei hat der 33-Jährige bereits eine beachtliche Karriere hinter sich, deren Initialzündung im Jahr 1992 der Sieg beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb war. Auf internationalen Festivals ist er regelmäßig zu Gast. Und mehr als eine Nebentätigkeit ist sein Einsatz für das Projekt „Rhapsody in School“, mit dem er Kinder für die Musik begeistern will. Am 19., 20. und 22. Februar spielt Daniel Müller-Schott bei den Münchner Philharmonikern das erste Violoncello-Konzert von Schostakowitsch. Yakov Kreizberg, mit dem Müller-Schott schon einige bemerkenswerte CD-Einspielungen vorgelegt hat, dirigiert.

-Ist es schwieriger, in der Heimat aufzutreten?
Ich glaube schon. Man will sich da besonders beweisen. Wenn mich niemand im Publikum persönlich kennt, spiele ich womöglich unbeschwerter.

-Sie spielen ein kostbares „Ex Shapiro“-Cello von Matteo Goffriller aus dem Jahre 1727. Was bedeutet es für Sie? Ist es eine Art Partner?
Alte Instrumente können ziemliche Primadonnen sein. Etwa nach Flügen oder bei zu feuchter Witterung. Für mich ist dieses Cello zweierlei: einmal „nur“ Instrument, zum anderen eine Inspiration, wie die Verlängerung von einem selbst. Ich besitze ja zwei Celli, ein altes und ein neues. Das alte ist wie eine Hallmaschine. Außerdem scheint es mir, als ob die Energie der vielen Benutzer und Stücke förmlich im Holz gespeichert sind. Und das überträgt sich auf einen selbst.

-Und nimmt einem womöglich einen Teil der Nervosität?
Mittlerweile habe ich ungefähr 100 Auftritte pro Jahr, halte mir aber Freizeitblöcke frei. Ich habe die Erfahrung gemacht: Je mehr man spielt, desto weniger Anspannung gibt es. Der Fokus verlagert sich aufs Musizieren. Als Kind hatte ich da viel größere Bedenken, wenn ich jemandem etwas vorspielte.

-Sie haben immer wieder Werke aus den Randbereichen des Repertoires aufgeführt oder eingespielt. Wie frei ist man eigentlich als Solist auf dem heutigen Musikmarkt?
Die Veranstalter tendieren natürlich zu „sicheren“ Programmen. Ich versuche immer wieder, dem entgegenzuwirken. Schon aus eigenem Interesse, weil ein großes Repertoire einen gewissermaßen frisch hält. Bei der Kammermusik herrscht da größere Freiheit. Prinzipiell stehe ich aber auf dem Standpunkt: Man darf’s dem Publikum nicht zu einfach machen.

-Und Kindern? Im Rahmen des Projekts „Rhapsody in School“ sind Sie ja auch in Klassen unterwegs.
Wichtig ist bei Kindern, so ging’s mir ja auch, das Initialerlebnis. Ein tolles Konzert zum Beispiel. Oder eben die Begegnung mit einem Künstler. Zu den unteren Jahrgangsstufen findet man relativ schnell Kontakt. Die sind wirklich sehr offen, wenn man etwa das Instrument erklärt. Ältere finden das eher uncool.

-Welche Rolle spielt dabei die Vermarktung eines Künstlers?
Gerade die CD-Firmen betreiben das ja in immer größerem Ausmaß. Damit wird auch die Egomanie der Interpreten unterstützt. Relativ früh muss man hier eine wichtige Entscheidung treffen: Will ich mit dem Bekanntheitsgrad leben oder nicht? Junge Künstler sind da in großer Gefahr, weil sie die Folgen noch nicht abschätzen können. Jeder Agent oder PR-Berater will am Erscheinungsbild von einem herumbasteln. Ich bin damit ziemlich früh konfrontiert worden, habe mir vieles angeschaut – und aussortiert.

-Wann und wie fiel dann die Entscheidung für eine Karriere?
Man muss in den Beruf reinwachsen. Und sich darüber klar werden, dass man auch viel mit Alleinsein konfrontiert ist. Ich hab’ mir anfangs schon die Frage gestellt: Will ich das wirklich? Mit Anfang 20 habe ich mir dann endgültig gesagt: Ja! Und jetzt bin ich unendlich dankbar für diese Berufswahl.

-Also alle Gefahren gebannt?
Naja, man kann sich auch wunderbar in die Musik flüchten. Also braucht man ein kritisches Umfeld. Mein Vater ist Naturwissenschaftler, mein Bruder Anwalt. Abheben ist da schwer möglich. (Lacht.)

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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