Eine männliche Eroberungsgeschichte

Salzburg/München - Johan Simons inszeniert Bla Bartks Einakter "Herzog Blaubarts Burg" für die Salzburger Festspiele

Eine Fundgrube für Psychoanalytiker, Dichter und Komponisten. Also auch für den Ungarn Bla Bartk (1881-1945), der seine einzige Oper diesem alten, finsteren Märchen über den Frauen mordenden Edelmann widmete: "Herzog Blaubarts Burg". Ein Werk, das bestens zum diesjährigen Motto der Salzburger Festspiele passt: "Denn stark wie die Liebe ist der Tod". Morgen Abend ist Premiere im Großen Festspielhaus - mit Falk Struckmann als Blaubart und Michelle DeYoung als Judith. Es dirigiert Peter Eötvös. Den in ungarischer Originalsprache gesungenen Einakter inszeniert der Niederländer Johan Simons (62), zukünftiger Intendant der Münchner Kammerspiele.

-Zuletzt hatten Sie in München großen Erfolg mit Ihrer Inszenierung von "Hiob" an den Kammerspielen. Jetzt führen Sie in Salzburg, quasi einem Vorort Münchens, Opernregie. Worin besteht für Sie, der ein Mann des Schauspiels ist, der Reiz der Oper?

Man muss das nicht zu oft tun. Einmal im Jahr genügt. "Herzog Blaubarts Burg" ist auch erst meine dritte Oper. Diese Arbeit ist ein völlig anderer Prozess als beim Schauspiel. Bei der Oper braucht man eine sehr gute, sehr genaue Vorbereitung. Die ist natürlich auch beim Schauspiel nötig. Aber da bereitet man sich vor mit einer Vision auf einen Prozess, der während der Proben erfolgt. Bei der Oper ist erstens die Probenzeit viel kürzer und zweitens so viel bereits vorgegeben. Die Noten bestimmen die Zeit, bestimmen die Atmosphäre, bestimmen alles. Man kann das nicht unterbrechen. Der Dirigent hebt den Taktstock, fängt an zu dirigieren - und hört nicht mehr auf damit bis zum Schluss.

-Nach Verdis "Simone Boccanegra" und Mozarts "Entführung" nun also Bartk\xC2

Ich habe Bartk immer sehr geliebt. Bartk und überhaupt die Musik des 20. Jahrhunderts ist in Holland verbreiteter als die Klassik. Bartk macht in seiner Partitur sehr viele genaue Angaben. Pro Seite mindestens fünf bis zehn zu Stimmung und Ausdruck einer Szene. Für mich ist das eigentlich wie ein Stück.

-Zu der Oper gibt es auch noch Konzertantes von Bartk.

Die Aufführung beginnt mit vier Orchesterstücken. Dann folgt die "Cantata profana - Die neun Zauberhirsche", ein Text nach rumänischen Balladen für Chor und zwei Solisten. In einem riesigen Bühnenbild. Und danach kommt der "Blaubart". Das Orchester wird runtergefahren. Das Bühnenbild verschwindet, es macht Platz für ein neues. Von der Ein- bis zur Dreidimensionalität.

-Welche Rolle spielt für Sie das Märchen vom Herzog Blaubart?

Ich fand es wichtig, den Blaubart durch meine eigenen Augen zu sehen. Er ist der Mann, der alles hat. Aber alles ist mit Blut befleckt. Ich habe mir gedacht: Blaubart ist einer, der zurückkommt, der Kriege geführt hat. Das ist eine männliche Eroberungsgeschichte. Die, so nahm ich mir vor, muss ich unbedingt befragen und was dabei die Rolle der Judith sei. Dann fiel mir dazu Beckett ein und sein "Endspiel".

-Mit welcher Konsequenz?

Blaubart ist für mich ein Behinderter und ein Blinder. Und Judith pflegt und begleitet ihn. "Nacht bleibt es nun ewig", singt sie. Aber weil Blaubart blind ist, wird es ein Gedankenspiel. Hier ist einer, der seinen letzten Kampf führt. Ich finde es wichtig, diese Männergeschichte einmal anders zu befragen. Für mich ist es eine Liebesgeschichte.

-Ihr Bühnenbildner hier ist Daniel Richter, ein derzeit sehr "angesagter" Maler der jüngeren Generation. Wie kam es dazu?

Ich wollte gerne einmal mit einem Maler arbeiten. Thomas Wördehoff, der Dramaturg, hatte mich auf Richter aufmerksam gemacht. Er hatte eine große Ausstellung in Den Haag, die habe ich mir angesehen, und sie gefiel mir sehr gut. Daraufhin reiste ich nach Berlin, um ihn zu überzeugen, das Bühnenbild für "Herzog Blaubarts Burg" zu machen. Ein Bildender Künstler - das ist ein ganz anderer Beruf als ein Bühnenbildner. Ein Maler geht von null auf hundert, der denkt sich alles aus. Ein Bühnenbildner geht von null auf fünfzig, den Rest lässt er für den Regisseur. Mit einem Maler als Bühnenbildner - da muss man doch die Regie ganz anders im Griff haben.

-In zwei Jahren treten Sie als Intendant der Kammerspiele in München an.

Mein Gott, ja. Ich bin jetzt schon richtig damit beschäftigt. Ich muss mir ein eigenes Netzwerk aufbauen. Regisseure, die ich gut finde, werden bleiben; einige andere kommen dazu. Auch einige neue Schauspieler, Holländer und Belgier, vier oder fünf. Ich denke, das Theater muss eine europäische Ausrichtung bekommen.

-Entsprechend "europäisch" wird also auch Ihre Auftakt-Inszenierung in München sein?

Sie sagen es. Wissen Sie, jetzt fängt für mich eigentlich ein neuer Job an. Ich war zwar immer Intendant, aber doch nie von so einem großen Haus mit so enormer Tradition und so gewaltiger städtischer Administration im Hintergrund. Ich sollte diesen Auftakt nicht verpassen. Man muss im Theater einfach mutig sein. Sonst brauche ich diesen Job gar nicht erst anzutreten. Es muss etwas sein, das die Leute richtig aufregt, dass sie sehen, in welche Richtung meine Intendanz gehen wird. Das ist mir schon klar.

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