Eine mitfühlende Freundin

- Eine Operette à la Jacques Offenbach schwebte ihm vor, doch was dann schließlich anno 1928 auf der Bühne der Dresdner Semperoper landete, war alles andere: "Die ägyptische Helena", das sehr eigene Hohelied der Gattenliebe von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Nachdem die "Liebe der Danae" im vergangenen Salzburger Festspiel-Sommer in der Materialschlacht unterging, verbannte Intendant Peter Ruzicka - auf Nummer sicher gehend - die "Ägyptische Helena" nun gleich auf's Konzertpodium.

<P>In der Salzburger Felsenreitschule belebte Fabio Luisi mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden, dem Dresdner Staatsopernchor und einem hochkarätigen Solistenensemble die antike Dame auf's neu. Vor nicht ausverkauftem Haus zwar, aber mit großem Erfolg. Für den die Dresdner Musiker der beste Garant waren. Sie stützen sich in Sachen Strauss auf eine ungebrochene Tradition. Mit ihrem runden, fülligen, weichen Klang - auch bei den Holz- und Blechbläsern - bieten sie beste Voraussetzungen, die Luisi nutzte: im raffinierten Farbengemisch, in den gewaltig sich auftürmenden Crescendi, im geschmeidigen Umhüllen der Stimmen. Sie gingen nur hie und da in den überschwappenden Klangwogen unter, die Luisi ansonsten sicher bändigte.<BR><BR>Donaths Überraschungssieg</P><P>Problemlos obenauf "schwammen" die Damen Deborah Voigt als Helena und Helen Donath als Aithra. Die Titelheldin schwang sich mit pompösem Sopran in weiten Bögen strahlend übers Klangmeer und besiegte schließlich in ihrer zuletzt noch einmal aufleuchtenden Reminiszenz "Bei jener Nacht, der keuschen einzig einen" alle Eifersucht des gehörnten Gatten Menelas.<BR>Mit dieser gemeingefährlichen Tenorpartie kämpfte Albert Bonnema tapfer. Trotz einer Indisposition und darob verrutschter Spitzentöne trug er mit heldischer Geradlinigkeit einen Achtungserfolg davon. </P><P>Dagegen landete Helen Donath einen Überraschungssieg. Sie, die vor mehr als drei Jahrzehnten in Salzburg als blutjunge Pamina bezauberte, war jetzt die Zauberin Aithra, die Helena vor dem Mord durch Menelas rettet. Immer noch scheinbar mühelos schwebte ihr Sopran auf fein phrasierter Linie in lichte Höhen, wobei jede Silbe verständlich blieb. Stilsicher und klug gestaltete sie die Partie und machte aus Aithra eine mitfühlende Freundin. Eine Kunst, die Helen Donath ins Zentrum der Aufführung rückte.<BR></P>

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