Landesinnenminister: Terrorverdächtiger in der Uckermark gefasst

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Er mag solche Momente eigentlich nicht: Christian Gerhaher mit der „Nachtigall“ und Laudatorin Eleonore Büning.

Salzburger Festspiele

Eine Nachtigall für Gerhaher

Salzburg - Jetzt gehört ihm die „Goldene Nachtigall“. So heißt der Sonderpreis der Deutschen Schallplattenkritik, mit dem der Münchner Bariton Christian Gerhaher in Salzburg geehrt wurde. Und dies am Ende eines außerordentlichen Festspiel-Liederabends.

Jetzt gehört ihm die „Goldene Nachtigall“. So heißt der Sonderpreis der Deutschen Schallplattenkritik, mit dem der Münchner Bariton Christian Gerhaher in Salzburg geehrt wurde. Und dies am Ende eines außerordentlichen Festspiel-Liederabends.

Vielleicht ist das Ding ja doch eine Ente, wie Laudatorin Eleonore Büning meinte. Würde auch besser zu den Verleihern passen, den Journalisten, die sich für diesen Mann entschieden haben. Ganz offiziell handelt es sich allerdings um einen Vogel, in Bronze, stilisiert, sitzend auf einem Zweig und gestaltet von Daniel Richter – die „Goldene Nachtigall“. Dies ist nun nicht der gleichnamige tschechische Publikumspreis, den Karel Gott 38 Mal errungen hat, sondern der Sonderpreis des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Wenig hat der übrigens zu tun mit dem Echo Klassik – hier gilt’s der Kunst, nicht dem Kommerz.

Wer Christian Gerhaher kennt, weiß, wie viel Pein ihm solche Momente bereiten. Preisverleihung, das fällt in die Kategorie Zahnarztbesuch. Letztes Lied, Applaus, Gang in die Gasse, wieder raus, Verbeugen, zurück hinter die Bühne, dann raus zur Zugabe. Und immer, wenn Gerhaher das Rampenlicht kurz verließ, so erzählt die wartende Laudatorin später, habe er ihr gegenüber bedauert, wie dürftig der Liederabend angelaufen sei. Alles in bester Ordnung also: Wenn Gerhaher zufrieden wäre, liefe ja etwas falsch.

Büning, Musikredakteurin der „Frankfurter Allgemeinen“, lobte den Bariton als „großen, vielleicht sogar aller-, allergrößten Liedsänger“. Er gebe einem das Gefühl, als wäre man als Zuhörer selbst gemeint. „Alles, was er singt, wird lebendig und wahr.“ Gerhaher revanchierte sich. Mit Kritiken habe er, auch mit schlechten, kein Problem. Schließlich säßen alle, ob Ausführende oder Berichterstatter, im selben Boot. Und allen ginge es nur ums Eine: um die kostbare, gefährdete Kunst.

Gerhaher, gerade in München für seinen Orfeo gefeiert, ist schon wieder unterwegs. Nicht mit einem dankbaren Lied-Reigen, sondern mit einem Programm abseits jeglicher Kulinarik – wer hätte auch anderes von ihm erwartet. Ein reiner Goethe-Abend, Vertonungen von Franz Schubert und von Wolfgang Rihm, Letzterem widmen die Festspiele heuer ihre Reihe „Salzburg contemporary“.

Im Zentrum des Abends: Rihms 15-minütige „Harzreise im Winter“, gewidmet Gerhaher und seinem Liedbegleiter Gerold Huber, uraufgeführt Anfang Juni in Würzburg. Goethes Opus ist rätselhaft, changierend zwischen düsterem Weltempfinden, Selbsterfahrung, Schicksalsreflexion und Naturschilderung. Rihm bleibt dicht am Text, betrachtet jedes Wort als kostbares Kleinod. Es gibt schmerzliche, sich spreizende Intervalle, stilisierte Naturalismen, oft auch Fahlfarbenmalerei. Gerhaher singt das mit einer stupenden Genauigkeit und extremen musikalischen und textlichen Durchdringung. So, als habe er mit Gerold Huber das Werk seit Jahren im Repertoire. Erstaunlich ist immer wieder, wie Gerhahers Gesang nicht nur nachzeichnet, sondern eine zweite, fast abstrakte Ebene in die Interpretation einzieht. Am deutlichsten in den Schubert-Werken „Prometheus“, „Ganymed“ und „An Schwager Kronos“, in denen das Theatralische zwar spürbar, aber eben nie ausgereizt wird.

Ein herbstlich-düsterer, fast nihilistischer Abend. Ob in Schuberts „Gesängen des Harfners“, seiner „Sehnsucht“, besonders in „Schäfers Klagelied“: Gerhaher schafft, sekundiert vom Subtilvirtuosen Gerold Huber, das Paradox. Das, was den singenden Professoren auf der einen Seite oder den Hyperemotionalen auf der anderen nie gelingt: Das Leid des singenden Ich ist zwar tief erfühlt, aber nie Identifikation, sondern Abbild. Weil es ums Kunst-Lied geht, nicht um eine Selbstentäußerung. Stärker spürbar ist das noch in Wolfgang Rihms Goethe-Liedern, die den Text viel stärker objektivieren.

Langer Applaus, Jubel schon nach dem ersten Teil, nur eine Zugabe – „Wandrers Nachtlied“ mit maximal nuancierter Schlichtheit gesungen. Ein gewaltiges zweistündiges Pensum für Christian Gerhaher war das alles, aber auch fürs Publikum. Und der Beweis: Extreme Ambition, ein forderndes Programm, das alle auf die Stuhlkante zwingt, so etwas klappt bei Festspielen. Eine schöne, ungewöhnliche Salzburger Erfahrung in diesem Sommer.

Markus Thiel

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