Eine neue Ratlosigkeit

- "Katerstimmung" diagnostizierte Thomas Tebbe, Lektor beim Piper Verlag, zu Beginn des Literatur-Festivals "Wortspiele". Den Zustand der deutschen Gegenwartsliteratur oder vielmehr dessen Widerspiegelung in den Feuilletons meinte er damit, als er in der - wie anders als lounge-artig gestylten - Muffathalle einen Überblick über die inzwischen abgetakelten Trends gab: von der Pop- bis hin zur Fräuleinwunder-Literatur. Und nun also herrsche eine neue "Unwilligkeit", auch Ratlosigkeit angesichts eines aufgeblähten, schnelllebigen und unübersichtlichen Marktes.

<P>Gespür für Qualität schärfen</P><P>Das Verdienst eines solchen Festivals, wie De Blank & Kraft es veranstalten, ist sicherlich, dem Publikum einen direkten Vergleich zwischen Autoren anzubieten und sein Gespür für Qualität zu schärfen. Am ersten der drei Festivaltage setzte etwa der in Deutschland lebende Däne Arne Nielsen darauf, das Muster von der braven Lesung zu durchkreuzen: "Wo ist mein Buch?", fragte der direkt von der Zahnbehandlung angereiste Autor mit bandagiertem Arm und sichtlich nachwirkender Spritze. Ähnlich frech, kurios, aber auch zu sehr auf eine Pointe fixiert sind seine Erzählungen von merkwürdigen Nachbarn und kleinen, Auto-besessenen Männern.<BR><BR>Ines Geipel ist mit ihrem Roman "Für heute reicht's - Amok in Erfurt" eine Ausnahme auf dem Festival: Zu den Jungautoren gehört die 44-Jährige nicht mehr. Dass sie bei "Wortspiele" auftrat, liegt an der Brisanz des Themas. Es fand in diesem Rahmen jedoch kein Diskussionsforum, allein die Form zwischen Dokumentation und Fiktion hätte aber einige kritische Fragen nahe gelegt. <BR><BR>Der unverständlicher Weise längste Auftritt wurde der Audio Kunstgruppe "Serotonin" mit ihrem Hörspiel "Arthur Gordon Pym" nach Edgar Allen Poe gewährt, das eigentlich in einen ganz anderen Wettbewerb als den zwischen Autoren gehört. Tagessieger wurde daher mit einiger Berechtigung Ariane Grundies. Sie erzählt mit vielen überraschenden Wendungen Geschichten von kleinen, ein wenig absurd anmutenden Welten und den Gefühlen hilfloser Menschen in ihnen. Von Ratlosigkeit im Publikum keine Spur: Eindeutig hatten sich die Zuhörer für sie entschieden und für ihren eher konventionellen Stil - offenbar immer noch die stabilste literarische Währung. </P><P>Noch am Samstag ab 20 Uhr. Programm: www.wortspiele-muenchen.de , Karten: 089/ 54 81 81 81.</P>

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