Eine neue Wirklichkeit: Film-Arbeiten von Jeanne Faust und Omer Fast

- Die Macht der fiktiven Bilder ist keine, die noch unterschätzt wird. Kino und Fernsehen - deren illusionistische Wirkung ist bekannt. Eine größere Macht aber besitzen die dokumentarischen Bilder. Doch auch hinter ihrer Fassade kann die Manipulation versteckt sein, wie die Arbeiten der "ars viva 03/04-Film"-Preisträger Omer Fast und Jeanne Faust (Kulturkreis der deutschen Wirtschaft) zeigen, die in der Pinakothek der Moderne (PDM) zu sehen sind.

<P>Vier Monitore auf unterschiedlich hohen Sockeln benötigt die Videoinstallation "A Tank Translated" (2002) des in Jerusalem geborenen und in Berlin lebenden Omer Fast. Sie beschäftigt sich mit der Beeinflussung von Augenzeugenberichten durch falsche Untertitel. Während die israelischen Panzersoldaten in Einzelinterviews auf Hebräisch von ihren Einsätzen berichten, springen die Worte in der deutschen Unterzeile: "Ich weiß nicht, was ich laut Armee sagen sollte" wird zu "Ich weiß nicht, was ich als Antwort sagen sollte".</P><P>Was hier durch einen Eingriff bewirkt wird, leisten im Nebenraum allein die Gedanken des Zuschauers: auf zwei Flachbildschirmen nebeneinander Szenen und Interviews aus Krakau - "Spielberg's List" (2003). Hollywoodinszenierung und historisches Geschehen verschwimmen zu einer neuen Wirklichkeit. In "sonst wer wie du" (2004) erzählt Jeanne Faust eine beeindruckend zwielichtige Episode aus dem Leben eines Feldarbeiters. Eine einzige Kameraeinstellung zeigt ihn im bruchstückhaft verständlichen Dialog mit einem dubiosen Betrachter hinter der Kamera.</P><P>Zwei amerikanischen Kleinstädten begegnen Omar Fast und Jeanne Faust auf unkonventionelle Weise. Der eine stellt Film und Ton gegenüber, die andere zwei zeitgleiche Perspektiven auf eine Szene mit Jugendlichen - beide Male wird das Normale durch seine Inszenierung zum Bemerkenswerten erhöht. Das Bemerkenswerte aber an der Sichtweise der Künstler ist, dass sie in der Abbildung durch Film immer auch einen bestimmten Alltag dokumentarisch als Kunstform entlarven. So hinterfragen sie genau das Medium, durch das sie so ausdrucksstark sprechen. <BR></P><P>Bis 4. Juli, Katalog 16 Euro, Tel. 089/ 23 80 53 60.<BR></P>

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