Wie eine Plastik entsteht

- Es ist ein Leuchtturm der besonderen Art geworden: Um die bunten, herabfallen Plexiglaswellen scharen sich die Museumsbesucher, plauschen auf der Treppe und lassen sich verführen von der scheinbaren Fröhlichkeit der Skulptur. Erst bei genauerem Hinschauen entdeckt man die teils geschmolzenen Plastikstühle in der Mitte, die Deformationen.

<P></P><P>Man beginnt zu rätseln, was diese "Reise nach Jerusalem" alles bedeuten mag. Olaf Metzels Arbeit ist ein komplexer Schnittpunkt der verschiedenen Sammlungen in der Münchner Pinakothek der Moderne, außerdem eine Gesellschaftsanalyse. Wie es zu dieser Installation kam, das entschlüsselt jetzt eine kleine Ausstellung mit Zeichnungen und Modellen.<BR><BR>Ausgangspunkt war die von Architekt Stephan Braunfels ins östliche Treppenhaus gestellte Säule: "deplatziert" für Olaf Metzel. Er wollte die "Unstelle" verändern, die Architektur steigern und letztlich sinnliche Gegenpole setzen. Er wählte die Rotunde und verzerrte dieses Verteilerrad. In zahlreichen Zeichnungen ist das Ringen um die Form erkennbar. </P><P>Organisches Vorbild war die Palme, eine flotte Zeichnung, die Metzel in Raster auflöste. Nach einigen Experimenten benutzte er für die Säulenverkleidung neonbuntes Plexiglas - ein Material der Spaßgesellschaft. Mit dem Material, auch mit den Plastik-Stühlen drinnen, karikiert er das Design. Das Ornament, das Dekorative ist nicht mehr glatt. Genauso wie das Kinderspiel grausame Komponenten birgt und durchaus einen Bezug zum knallharten Ringen um den Arbeitsplatz haben kann.<BR><BR>Die Ausstellung klärt nicht über alle diese Bezüge auf, aber sie schafft vor allem eines: Sie zwingt zum genaueren Hinsehen und lenkt den Blick auf die Irritationen, die Metzels Wahrzeichen verkörpert.</P><P>Bis 17. August; Tel. 089/ 23 80 53 60. Katalog: 20 Euro.<BR></P>

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