Eine Art Rock-Theater

- Gute Laune zu verbreiten ist harte Arbeit, wenn man sein Geld mit dem Musizieren vor Publikum verdient. Und Meat Loaf, der singende Fleischklops aus Texas, arbeitet sehr hart bei seinem Auftritt in München. Wie von tausend Teufeln getrieben stürmt er über die Bühne, schlägt dabei sogar Purzelbäume, erzählt zwischendrin nette Anekdoten und singt so inbrünstig, bis die Menge in der gut gefüllten Olympiahalle tobt.

<P>Das liegt freilich nur zum Teil an der Musik - das Erfolgsgeheimnis des mittlerweile 52-jährigen Meat Loaf ist die Show. Mit einer fünfköpfigen Band, die für den charakteristischen Bombast-Klang sorgt, und zwei Sängerinnen führt er eine Art Rock-Theater auf, das geschickt mit Pop-Klischees und dem Image der Kunstfigur Meat Loaf spielt. </P><P>Die Texte werden sozusagen als Kurz-Dramen gespielt und gelegentlich mit etwas Mummenschanz ironisiert. Am eindruckvollsten gelingt das immer dann, wenn Meat-Loaf jene Mini-Opern röhrt, die ihm der genial-größenwahnsinnige Komponist Jim Steinman auf den massigen Leib geschrieben hat. Monster-Songs wie "I would do anything for love", "You put the words right out of my mouth" oder "Bat out of hell" sorgen mit ihrer suggestiven Kraft zuverlässig für Gänsehaut.<BR><BR>Insbesondere weil Meat Loaf zwar eine gnadenlose Rampensau ist, aber gerade bei diesen Liedern der Sängerin Patricia Russo ausreichend Gelegenheit gibt, sich ebenfalls in Szene zu setzen. Die grandiosen Duette der beiden sind die dramaturgisch clever gesetzten Höhepunkte des Abends. Nach rund zweieinhalb Stunden verabschiedet sich der völlig erschöpfte Meat Loaf dann ohne Zugabe, aber keiner im Saal nimmt ihm das übel. Der Mann hat alles gegeben, und jeder hatte Spaß. Mehr kann ein Fan von einem Konzert nicht erwarten.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eran Shakines Gentlemen bitten ins Museum
Das Jüdische Museum München ermöglicht mit „A Muslim, a Christian and a Jew“ eine Begegnung mit dem Werk des Künstlers Eran Shakine. Lesen Sie hier unsere …
Eran Shakines Gentlemen bitten ins Museum
„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Selbst der grausigste Tragödienbrocken bekommt bei Regisseur David Bösch etwas Verspieltes. Sein Nürnberger „Idomeneo“ überwältigt vielleicht nicht, wirkt aber trotzdem …
„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Belle and Sebastian verzaubern München: Beim ausverkauften Konzert der Glücklichmacher aus Glasgow in der Muffathalle galt einmal mehr: „Love is in the Air“.
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele
Den Tiroler Festspielen wird Ausbeutung, Lohndumping und Machtmissbrauch vorgeworfen. Mittlerweile hat Gustav Kuhns Festival Klage erhoben.
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele

Kommentare