Eine Schlucht wie der Grand Canyon

- Erhält die Sammlung Brandhorst in München nun "eher einen spektakulären Rahmen" oder wird es ein "stilles Museum"? Thomas van den Valentyn, Vorsitzender der Jury, brachte die Alternativen beim Wettbewerb um den Neubau auf den Punkt _ und damit auch die Unschlüssigkeit des 18-köpfigen Fachgremiums. Eigentlich sollte die Entscheidung am vergangenen Freitag fallen, nun wählte man aber, wie bereits berichtet, aus vier Favoriten zwei aus und gab Kostenkalkulation und Funktionalitätsprüfungen bis in sechs Wochen in Auftrag.

<P>Die Londonerin Zaha Hadid überzeugt durch ihre extravagante Architektur: Sie präsentiert einen Betonquader, durchzogen von einer geschwungenen Schlucht, aufgeteilt in verzahnte Segmente. Die Berliner Sauerbruch und Hutton stellen diesem Entwurf schnörkellose Funktionalität entgegen mit ihrem Rechteck, abgeschlossen von einem weiteren Block, verkleidet mit buntem Glas.</P><P>Zwei Modelle für den Bau im Anschluss an die Pinakothek der Moderne sind damit ausgeschieden: Das flache Rechteck mit den zwei Eckzähnen von den Münchner Architekten Meck sowie das durchgitterte Quadersystem der Nürnberger Architekten Bär, Stadelmann und Stöcker. Diese beiden Entwürfe waren im Juli noch in die engere Auswahl gekommen.<BR>"Alle waren erhaben über Fragen mangelnder Qualität", betonte Wissenschaftsminister Hans Zehetmair. Entscheidungskriterien waren und sind die museale Funktion sowie der Kostenfaktor.</P><P>Udo Brandhorst, der seine rund 100 Millionen Euro schwere, umfassende Sammlung zeitgenössischer Kunst in die Stiftung einbringen wird, zeigte sich mit diesem Teilbeschluss und den neuen Auflagen zufrieden. Der Freistatt als Bauherr, ein gebranntes Kind seit der Kostenexplosion bei der Pinakothek der Moderne, fordert eine detaillierte Bausummen-Planung bis Ende November.</P><P>Zaha Hadid wird bis dahin zudem die Machbarkeit ihres Projektes belegen müssen: "Da gab es viele Fragezeichen", so Zehetmair. "Die Schlucht, die sich wie der Grand Canyon durch das Gebäude zieht, wird mehrfach überbrückt, über große Höhenunterschiede hinweg. Die Frage ist, ob das nicht zu steil wird auf die kurze Entfernung." Weitere Unklarheiten bestehen in punkto Lichtführung.</P><P>Beim Entwurf von Sauerbruch und Hutton muss der Bereich An- und Zulieferung überarbeitet werden. Unklar war hier auch die Führungslinie auf der untersten der drei Etagen. Zudem stellte sich der Jury die grundsätzliche Frage, ob die großzügig vorgesehene Einbezug des Tageslichtes so durchführbar ist.</P><P>"Es geht uns nicht um den höchsten Pfiff der Architektur, sondern um eine optimale Nutzbarkeit", erklärte Zehetmair. Weitere Tendenzen wollte er nicht preisgeben, allerdings räumte er noch ein: "Wir stellen uns nicht gegen eine attraktive Architektur, wenn sie nicht zu Lasten der musealen Verwendung geht."</P><P>Sollten beide Entwürfe diesbezüglich gleichwertig sein, "werden wir dafür sorgen, dass die Architektur eine entsprechende Gewichtung bekommt und auch die Emotion."<BR></P>

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