Eine Symphonie des Lichts

Köln - Ein dunkles Tuch verhängte in den vergangenen Tagen den Gegenstand der allgemeinen Neugierde. Erst in der Nacht zu Samstag wurde die Sicht freigegeben auf das von dem Maler Gerhard Richter gestaltete, schillernd bunte Fenster im Südquerhaus des Kölner Doms. Bald standen die Besucher in Scharen in dem Gotteshaus, den Kopf in den Nacken gelegt, um endlich das Kunstwerk an Ort und Stelle zu studieren -­ und es gefiel.

Der in Köln lebende Maler zeigte sich heiter gestimmt. Der oft eher wortkarge Künstler war zufrieden und stolz, "dass es nicht misslungen ist". Und: "Ich bin ein bisschen überwältigt -­ das passiert einem ja nicht immer."

Richter ist weltweit einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Das von ihm gestaltete 113 Quadratmeter große Domfenster besteht aus vielen tausend kleinen, bunten Quadraten und schafft eine flirrende Farbigkeit. Richter hat dafür etwa 80 Farbtöne ausgewählt, die bereits in den bestehenden und teils aus dem Mittelalter stammenden Fenstern des Doms vorkommen. Der Künstler, dessen Gemälde Spitzenpreise erzielen, arbeitete für den Dom kostenlos. Die Kosten für die Herstellung in Höhe von 370 000 Euro wurden vollständig durch Spenden aufgebracht.

Das bunte Fenster im südlichen Querhaus der größten gotischen Kathedrale Deutschlands ersetzt eine an der gleichen Stelle nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg eingefügte und als zu hell empfundene Verglasung.

Das war alles "auch ein bisschen erregend", kommentierte der 75-jährige Richter die für ihn ungewohnte Tatsache, dass dieses Werk nicht wie ein Bild im Museum einfach wieder abgehängt werden kann. Zudem ist dieses Fenster ­- eines der drei großen in der zum Weltkulturerbe gehörenden Kirche -­ nach Süden ausgerichtet und das am meisten von der Sonne beschienene.

"In seiner überwältigenden Farbenfülle ist es selbst eine Symphonie des Lichts, in der alle Farben des Domes erklingen", sagte der Künstlerseelsorger des Erzbistums Köln, Josef Sauerborn, im Festgottesdienst zur Einweihung des Fensters. Weit über tausend Besucher, viele von ihnen hatten für die Herstellung gespendet, schauten gebannt auf das "Meer der Farben" des sonnendurchfluteten Glasbildes. Für Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner ist das abstrakte Richter-Fenster schon Teil des Domes: "Strahlend, hell-leuchtend und von fast überirdischem Glanz." Gleichzeitig sehe es so aus, als sei es immer schon da gewesen. "Für mich ist es ein sakrales Fenster, weil es für mich die Schönheit von Gottes Schöpfung repräsentiert.".

Ursprünglich waren für das Glasbild Darstellungen von Märtyrern des 20. Jahrhunderts geplant. Jedoch zeigte sich, dass es figürliche Glasmalerei kaum noch gibt. Als weiteres Problem erwies sich die Farbgebung, da die Darzustellenden meist dunkle, ja schwarze Kleidung trugen -­ für die Glasgestaltung die am wenigsten geeignete Farbe.

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