Eine viel zu zahme Pippi

- Das stärkste Mädchen der Welt ist sie, mutig sowieso und frech eigentlich nur, weil sie Konventionen nicht kennt, sie erst lernen und umso mehr hinterfragen muss. Oder sie, falls sie ihr nicht einleuchten, auch munter über den Haufen wirft. Denn ein unbeschwerter, kluger Freigeist ist sie vor allem: Pippi Langstrumpf natürlich.

<P>Vor 59 Jahren aus der Feder Astrid Lindgrens geboren, ist sie immer noch neun Jahre alt und ungebrochen Liebling heutiger und einstiger Kinder. Denn friedfertige Heldinnen wie sie braucht es zu allen Zeiten.<BR><BR>Deshalb verwandelt die gebürtige Schwedin Kerstin Fernström unter der Regie Bernd Plagemanns zur Zeit das Münchner Theaterzelt "Das Schloss" in eine Villa Kunterbunt. Schlüpft in die sommersprossige, rotzopfige Pippi und veranstaltet, nein, nicht ein Tohuwabohu, sondern eher eine gepflegte Erzählstunde. Spielt hie und da liebevoll ein paar Szenen nach. Reitet ihr Pferd "Kleiner Onkel", gegeben von einem großen Stoff-Elch, der zusätzlich noch die Rolle des starken Adolf übernimmt: Pippi erledigt ihn im Zirkus im Handumdrehen.<BR><BR>Hauptsächlich aber entdeckt die Schauspielerin bei Pippi eine ungeahnte Zartheit, in ihren Abenteuern vor allem das anekdotisch Drollige, glättet dabei ihre Aufmüpfigkeit und deutet ihre Wildheit und Entschlossenheit zu kleinen, niedlichen Versehen um. Kurz: Fernström und Plagemann domestizieren Pippi ein bisschen zu sehr. Und wer das Besondere an ihr vermisst, der findet es nur durch sehr genaues Zuhören.<BR>Christine Diller</P><P>Bis 15. Februar. Tel. 089/30 03 019. <BR></P>

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