Eine Welt, in der das Denken eine Lust ist

München - Der holländische Regisseur Johan Simons wird als Nachfolger Frank Baumbauers ab 2010 die Münchner Kammerspiele leiten.

"Ich bin auf einem Bauernhof in Holland geboren. Mit 18 habe ich meine erste Auslandsreise gemacht - und zwar nach München." Das war 1964. Gestern bedankte er sich für die große Ehre, ihm die Intendanz der Münchner Kammerspiele anzutragen. Die Rede ist von Johan Simons (61).

"Ich bin überzeugt, dass das eine sehr gute Lösung ist. Er ist einer der besten europäischen Regisseure." Und ein Intendant ist er dazu auch noch. Wer sich so fabelhaft über ihn auslässt, ist Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers, der soeben die Personalie bekannt gab.

Der Chefsessel der städtischen Bühne wäre 2009 neu zu besetzen - Baumbauer hat bekanntlich seinen Vertrag über diesen Zeitpunkt hinaus nicht verlängert ­, aber Simons kann nicht vor 2010 in München antreten; denn bis dahin ist er seinem derzeitigen Haus, dem NTGent, als Theaterleiter verpflichtet. "Er war es mir wert, ein Jahr auf ihn zu warten", so Küppers.

Johan Simons ist in München kein Unbekannter. Von Anbeginn der Ära Baumbauer ist der Holländer an den Kammerspielen als Regisseur präsent. Seinen glänzenden Einstand hatte er mit dem "Fall der Götter" gegeben (Jutierhalle) und den "Zwei Stimmen", jeweils Produktionen seines NTGent. Dann kamen Arbeiten mit dem hiesigen Ensemble: etwa "Die zehn Gebote", "Anatomie Titus Fall of Rome", "Elementarteilchen", "Prinz Friedrich von Homburg". Und im April 2008 folgt die Bühnenadaption von Joseph Roths "Hiob".

"Sehr gerne" wolle er das Ensemble so wie es ist weiterführen. Er selbst werde zunächst ein Stück pro Saison inszenieren. Der Rest ist Intendantenarbeit. Simons: "Ich werde mich tummeln müssen, um andere Regisseure zu gewinnen, und mich um Koproduktionen bemühen, zum Beispiel innerhalb der Stadt - etwa mit den Museen." Auch wolle er die Kammerspiele noch weiter öffnen für die "Peripherie", für jene Menschen also, die nicht von allein ins Schauspielhaus finden.

Ebenso sei es ihm wichtig, "andere Kulturen ins Haus zu holen. Für das Ensemble ist es gut, wenn wir Schauspieler aus anderen Ländern dazuholen." Sein Theater, so Simons, will "eine Welt zeigen, in der das Denken eine Lust ist. Ein Theater, das ins Herz trifft. Ein Theater, das der Angst in die Augen blickt und lehrt, mit ihr umzugehen." Soweit, so allgemein. Und Simons bekennt sich zur Utopie: "Man braucht keinen Zynismus. Man soll utopisch denken, wenn man am Theater arbeitet."

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