Eine Zauberspindel

- Wie verschieden leben die Menschen ihr Alleinsein, wie unterschiedlich nehmen sie die Welt wahr? Diesen Fragen gingen die Schweizer Wahl-Berlinerin Anna Huber und die Tschechin Kristyna Lhotáková 2004 gemeinsam nach in zwei eigenständigen Soli. "Two Ones", ein ungleicher Zwilling, der einen von der künstlerischen Erhebung unbarmherzig aufs Flachland der Banalität stößt.

Um die wunderbare Huber zu bekommen, musste die Münchner Tanzwerkstatt Europa offensichtlich in den anderen sauren Apfel beißen. Die Huber! Man hat sie hierorts - und auch auf arte - ja schon oft gesehen, ihren spannenden Reifeprozess verfolgt. Da steht sie nun auf ihrem weißen, die Rückwand hochlaufenden Teppichstück: Anti-Model, feingliedrig, streng - und beginnt ihre Wahrnehmungsforschung: ein Abtasten der Wand mit rückwärts suchendem Fuß. Erkundungen des Kopfunter in hieroglyphischen Abtauch-Figuren, dann der Balance in arm-rudernder Drehung auf einem Bein. Mit ihrem seitwärts geneigten Garconette-Kopf erfühlt sie die eigene Schulter, testet beide in rasendem Auf und Ab, durchtänzelt wie eine Zauberspindel die Weite der Muffathalle, für Sekunden Nachtclub-Nymphchen in kreisrundem Show-Spot und schon wieder wie toll fortspringendes Frühlings-Böckchen. Immer "hierundoderhierundoderdort" (ihr Titel). Die Bewegungseinfälle, die Struktur, ihre Präsenz - es stimmt einfach alles bis hin zur leise oder dringlicher klickernden Geräuschmusik und dem apfelsinenfarbenen zarten Kleid.

Bei Lhotáková lenkt der ausgewaschene, aber doch bewusst knappe Damenslip die volle Aufmerksamkeit auf ihren straffen Unterleib. Nicht so schlimm. Sehr viel mehr war da auch nicht.

Morgen Finale : Loic Touzé/ Latifa Laâbissi - "Love"; 20. 30 Uhr, Muffathalle; Tel. 089/ 724 25 15.

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