Eine zweite Chance in Europa

- In den baltischen Staaten setzt die Kulturszene große Hoffnungen in den EU-Beitritt. "Spätestens jetzt werden wir die Chance erhalten, uns in Europa zurückzumelden", so die lettische Kulturministerin Helena Demakova. Ähnliche Stimmen klingen aus den Autoren-, Komponisten- oder auch Theaterverbänden im Baltikum.

<P>Unfreiwillig fühlte sich Nordosteuropa während des Sowjetregimes ausgeschlossen vom westeuropäischen Kulturkreis. Mit den künftigen EU-Strukturfonds aus Brüssel stehen für die kleinen Ministerien vom 1. Mai an zusätzliche Mittel in Millionenhöhe bereit.<BR><BR>Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten Estland, Lettland und Litauen wie selbstverständlich zur europäischen Kultur. Das änderte sich durch Zweiten Weltkrieg und Sozialismus. Die jüngere baltische Kulturgeschichte wurde aus westlicher Sicht von Emigranten bestimmt: Esten beispielsweise integrierten sich in die finnische Kunstlandschaft.<BR><BR>Daheimgebliebene wie Jaan Kross mussten Zensur aushalten. Kross, der als erfolgreichster Kulturvertreter der Region gilt, engagierte sich für die estnische Unabhängigkeit und amtierte nach 1991 kurz als Parlamentsabgeordneter. Typisch für die Umbruchzeit bis Mitte der 90er-Jahre, in denen baltische Intellektuelle sich kräftig in die Politik einmischten, so auch Lennart Meri, Dokumentarfilmer und Autor, oder Musikprofessor Vytautas Landsbergis.<BR><BR>Enttäuschender die Begegnung mit der zeitgenössischen Malerei: In den Akademien lehren viele Altkader, die Bibliotheken sind schlecht bestückt, den Studenten fehlt das Geld für Auslandsreisen; die Galerien klagen über schwache kreative Qualität. Die besten Chancen nach der EU-Erweiterung rechnen sich die klassischen Musiker aus. Viele von ihnen schafften bereits den Sprung in gut bezahlte Spitzenorchester. </P><P>Gidon Kremer schuf mit dem Jugendorchester "Kremerata Baltica" ein Aushängeschild, das im Bereich des Theaters Oskaras Korsunovas ist, preisgekrönt für eine ganz eigene, moderne Bewegungssprache.<BR></P>

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