„La Bohème“ à la New York: Die jungen Darsteller gehen gerade in den Ensembleszenen aufs Ganze. foto: deutsches theater

Einen Gang zugelegt

München - Die Inszenierung „Rent“ ist die erste Koproduktion von Deutschem Theater und Bayerischer Theaterakademie.

Groß war der Jubel, als die New Yorker Bohèmiens im vergangenen Jahr erstmals das Prinzregententheater stürmten. Und das, obwohl Jonathan Larsons Musical „Rent“ hierzulande bis dahin alles andere war als eine sichere Bank. Doch unter den erfahrenen Händen von Regisseur Stefan Huber und dank eines unverbrauchten Ensembles mauserte sich das Stück für die Theaterakademie zum enormen Erfolg, der manch gastierende Truppe hinter sich ließ. So hat das Deutsche Theater gut daran getan, für seine erste Koproduktion mit der Münchner Talentschmiede „Rent“ zurück auf den Spielplan zu holen.

Die Inszenierung, die für die Wiederaufnahme von Rolf Krieg aufgefrischt wurde, hat den Umzug ins Fröttmaninger Zelt gut überstanden. Und anders als die geklonte Broadwayproduktion, die in Deutschland vor zehn Jahren mit wehenden Fahnen unterging, weiß das Regieteam hier selbst mit den Unebenheiten des Stückes geschickt umzugehen und die Bühne mit Aktion zu füllen. Dass Autor Jonathan Larson einst kurz vor der Uraufführung starb und seine ins New Yorker East Village verlegte Version von „La Bohème“ deshalb an vielen Ecken etwas rau und ungeschliffen wirkt, ist zwar immer noch zu merken, fällt aber kaum ins Gewicht.

Schade, dass bei dem mitreißenden Rockmusical ausgerechnet die E-Gitarren der Band oft zahm aus den Lautsprechern schallen. Hier darf man den Pegel in den Folgeaufführungen gerne ein paar Balken nach oben drehen und mehr Druck machen. Um die Darsteller braucht man sich keine Sorgen zu machen. Die stellen sich ihrer Aufgabe souverän und gehen gerade in den Ensembleszenen aufs Ganze. Blitzschnell schlüpfen sie von einer Rolle in die nächste, sind mal verschlagene Dealer, mal frustrierte Obdachlose oder besorgte Mütter, die mit gut gemeinten Ratschlägen die Anrufbeantworter der Sprösslinge zum Überquellen bringen.

Einen Gang zugelegt haben seit der Premiere 2009 vor allem Julian David als Drag Queen Angel und Marianne Curn als Powerfrau Joanne, die nun ebenso wie Thorsten Ritz in der Rolle des Erzählers Mark neue Facetten ihrer Charaktere zutage fördern. Und das müssen sie auch, denn Neuzugang David Jakobs mischt als Roger das Geschehen gewaltig auf und setzt dazu stimmlich einen hohen Standard, an dem sich seine Partner messen lassen dürfen. Die Zusammenarbeit von Deutschem Theater und Theaterakademie soll in den kommenden Jahren übrigens ausgebaut werden. Und wenn „Rent“ ein ernst gemeintes Versprechen für die Zukunft war, könnte das ein Deal werden, von dem nicht nur die beiden Häuser, sondern auch die Zuschauer profitieren.

Tobias Hell

Bis 25. April, Telefon 089 / 55 23 44 44.

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