Einen an der Waffel

- Horrorfilme waren früher vor allem ein Freizeitvergnügen pubertierender Jungs. Doch in den letzten Jahren sind die Gruselschocker aus der Schmuddelecke der Videotheken gekrochen und haben die breite Kinoleinwand erobert. Das Original des "Texas Chainsaw Massacre" fand 1974 nur ein kleines, hart gesottenes Publikum. Die Neuverfilmung gleichen Titels sprengte unlängst sämtliche Besucherrekorde. Schuld an der Massaker-Mode ist eigentlich Wes Craven, Altmeister des billigen Blutbades, mit seinem Film "Scream". Es folgten viele Filme wie "Düstere Legenden", die alle eine vorher ungeahnte Ironie auszeichnete. Das neue Schauerkino ist abgebrühter als seine Vorgänger, respektloser und witziger - aber auch wesentlich brutaler.

<P>Jüngstes Beispiel ist "Das Haus der 1000 Leichen", erschütterndes und gleichzeitig unvergessliches Regiedebüt des Hardrockers Rob Zombie. Nach Genuss dieses überaus grausamen, für Horrorfans aber zweifellos Meilensteine setzenden Films wird auch dem von Psychologie unbedarftesten Laien klar: Der Mann hat ganz gehörig einen an der Waffel. </P><P>Zombie lässt jedem Splatter-Fan das Herz beben, so blutrünstig wird hier gequält und getötet. Die Opfer sind zwei junge Pärchen, die auf der Suche nach einer Halloween-Party 1977 durch die Provinz streunen und bald schon ihre Eingeweide einbüßen. Zombies "Haus der 1000 Leichen" ist ein wüstes Gemetzel, mit Traumsequenzen verfremdet, mit kunstvollsten Kameraeinstellungen ironisch gebrochen, voll origineller Ideen. Das gedehnte, sinnlose Martyrium der Opfer, die grellbunten Szenen, das Blut und Gekröse - sowas hat man noch nicht gesehen. Die Frage ist nur, ob man's überhaupt sehen muss . . . (In München: Mathäser, Marmorhaus.)<BR><BR>"Haus der 1000 Leichen"<BR>mit Sid Haig, Sheri Moon<BR>Regie: Rob Zombie<BR>Annehmbar </P><P> </P>

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