Mit einer Königin von Saba in der Historie

- Das hatte er nun davon: Asfa-Wossen Asserate, frisch gekürter Träger des Chamisso-Preises, bekam keine Blumen überreicht. Nur die Damen, die ebenfalls mit dem Hauptpreis geehrte Zsuzsa Bá´nk und Förderpreisträgerin Yadé´ Kara, hatten Gelegenheit, ihre Nervosität an den Stengeln ihres Sträußchens abzuleiten. Dabei war es sicher Asserates Verdienst, dass die Massen in die Bayerische Akademie der Schönen Künste strömten. Schließlich ist sein Buch "Manieren", in dem übrigens steht, "Blumen sind ein besonders ehrwürdiges Geschenk", ja ein Bestseller.

<P>Von diesem Kompendium hatte sich Wieland Schmied, Präsident der Akademie, anleiten lassen: "Eine Konvention will wissen, dass man Männern keine Blumen schenkt. Richtig ist, dass vielen Männern Blumen gleichgültig sind. . ."<BR><BR>Selbst wenn es bei Asserate anders wäre, nie ließe er sich das anmerken. Natürlich ist er ein eleganter Herr von vollendeten Umgangsformen. Eben kein unnahbarer Geck, sondern so herzlich wie höflich. Man könnte meinen, dass den am äthiopischen Kaiserhof aufgewachsenen Asserate die europäischen Manieren zunächst befremden mussten, als er nach Deutschland kam, dass daraus sein Interesse entstand. Aber nein: "Ich kannte europäische Manieren aus der deutschen Schule, die ich besuchte. Als ich nach Europa kam, wollte ich daraus das Beste machen, meine Eindrücke, gute und weniger gute, notieren." Die Grundlage für sein vielschichtiges Werk. "Ich war außerdem in der glücklichen Lage, Menschen zu begegnen, die das Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg noch kannten. Dieses Erbe muss aufrecht erhalten werden", begeistert sich Asserate.<BR><BR>"Die Jugend hat die Ästhetik wiederentdeckt."<BR>Asfa-Wossen Asserate</P><P>Sechs Jahre arbeitete er an seinem Buch. "Ich bin ja in erster Linie Unternehmensberater." Bereits an zweiter Stelle steht sein politisches Engagement für Äthiopien. Sein Preisgeld von 15 000 Euro kommt daher dem Verein "Orbis Aethiopicus" zugute. "Die vier Reiter der Apokalypse haben es sich in Afrika heimisch gemacht. Es ist ein geschundener Kontinent."<BR><BR>Wie können die Europäer helfen? "Sie müssen den Demokratisierungsprozess mit allen Mitteln fördern." Lieber heute als morgen würde Asserate in seine Heimat zurückkehren, wenngleich er auf Deutschland mit seiner Theater- und Musikkultur nicht mehr verzichten will.<BR><BR>So sehr Asserate Deutschlandkenner ist: Ein kultureller Unterschied manifestiert sich in seinem Buch beim Thema Feminismus. Der etwas missverständliche Tonfall "hat sich eingeschlichen, weil es in meiner Heimat diese Diskussion nicht gibt. Mit einer Königin von Saba in der Historie ist es in Äthiopien nie möglich gewesen, die Frau zweitrangig zu behandeln." Er bedaure nur, dass der europäische Feminismus der Frau geschadet hätte, wo er über Emanzipation hinausgegangen sei. Was die Manieren in Deutschland angeht, hat Asserate Hoffnung:<BR><BR>"Das Interesse ist da. Die Jugend hat die Ästhetik wiederentdeckt. Dabei kommt es weniger auf Äußerlichkeiten an. Erst richtig verstandene Demut kombiniert mit Anmut macht Manieren aus." </P><P><BR> </P>

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