„Hundert Prozent Energie reichen nicht aus“: Das Fauré-Quartett mit (v.li.) Konstantin Heidrich, Sascha Frömbling, Erika Geldsetzer und Dirk Mommertz. foto: Kasskara

„Einfach mal aufs Instrument hauen“

Fürstenfeldbruck - Maximales mit Mendelssohn: Das mehrfach preisgekrönte Fauré-Quartett gastiert am Freitag in Fürstenfeldbruck. Ein Gespräch:

Das Fauré-Quartett gehört zum Aufregendsten, was die Klassik zu bieten hat: Als Klavierquartett ist es auf diesem Intertpretationsniveau nahezu einzigartig. Das Ensemble, das unter anderem mit dem Echo-Preis ausgezeichnet wurde, gastiert morgen in Fürstenfeldbruck. Wir sprachen mit dem Pianisten Dirk Mommertz und dem Bratscher Sascha Frömbling.

-Ihre heute erscheinende CD widmet sich dem „Wunderkind“ Mendelssohn Bartholdy. Was hat sie daran gereizt?

Sascha Frömbling: Dieses Genie in jungen Jahren ist einfach fulminant. Als 15-Jähriger einen derartigen Anfang in h-Moll zu schreiben... Was geht in dem Kleinen da vor? Auf der anderen Seite aber doch dies Überschäumende, Frische. Deswegen machen diese Stücke – außer beim Einstudieren, weil sie sackschwer sind – einen Heidenspaß. Es war einfach höchste Zeit, sie endlich aufzunehmen.

Dirk Mommertz: So viel Energie findet man sonst kaum. Er ist ein junger Komponist, egal in welchem Alter. Und man sollte sich immer wieder die Frage stellen: Was hab’ ich mit zwölf gemacht? Ich habe da gerade mit Klavier angefangen und meine Freizeit im Wald verbracht, Baumhäuser gebaut – ich hab’ doch nicht an Klavierquartette gedacht!

-Es kommt bei Ihren CDs viel Energie rüber. Wie gelingt so etwas?

Dirk Mommertz: Wir reden aufeinander ein. In dem Moment, wo das „Aufnahme“-Licht an ist, heißt es: Alles geben, nicht zurückhalten, nicht auf Sicherheit spielen!

Sascha Frömbling: Wir versuchen generell, jede Note mit dem größtmöglichen Ausdruck zu spielen. Sonst dürfte man den Beruf eigentlich nicht machen. Und gerade bei Mendelssohn reichen vielleicht noch nicht mal hundert Prozent Energie aus, weil der Junge noch mehr fordert. Da müssen es dann 120 sein. Dies über das Medium CD transportieren, ist noch anstrengender als im Konzertsaal.

Dirk Mommertz: Man muss sich einen Synchronsprecher anschauen: Der gestikuliert so viel, das sieht so verrückt aus – aber es muss sein. Wir bewegen uns sogar noch mehr bei der Aufnahme als auf der Bühne. Das Anstrengende ist: Im Konzert schaltet man sich ein, nach zwei Stunden aus, und weitere zwei Stunden später fällt man tot um, weil man sooo müde ist. In der Aufnahme sitzt man acht Stunden! Das schlaucht.

-Schade, dass bei dieser Musik selten jemand so zupackt.

Dirk Mommertz: Es herrscht in der Kammermusik unglaublich viel Müdigkeit: „Wir können’s eh nicht richtig einstudieren, spielen wir’s halt.“ Das ist unser Luxus: Wir sind ein festes Ensemble. Wir kennen jeden Millimeter dieser Stücke, können die blind spielen – und dadurch umso mehr neu entdecken. Wir haben sozusagen das Fahrgestell, der Motor funktioniert, und jetzt können wir uns auf den Weg begeben.

-Wie würden Sie Ihre vier Persönlichkeiten charakterisieren?

Sascha Frömbling: Goethe sagte über Mendelssohn, dass dieser Junge vom Phlegma das irgendmöglichste Minimum, vom Gegenteil das Maximum besäße. Dies findet man auch bei uns in unterschiedlichster Anordnung. Das ist spannend, weil sich das am besten ergänzt.

Dirk Mommertz: Wenn jemand sein Instrument richtig beherrscht, kann man über den Charakter sehr viel erfahren. Wie färbt jemand, wie vibriert ein Geiger, wie setzt er einen Ton an...? Das alles sind persönliche Dinge. Das heißt: Die Leute sollen sich die CD anhören, dann lernen sie uns kennen (lacht). Wir sind jetzt nicht die kompletten Gegensätze. Trotzdem gibt’s teilweise Situationen, in denen man denkt: Wie kommen wir eigentlich miteinander klar?

-Wie treffen sie da Entscheidungen?

Dirk Mommertz: Das ist aufwändig! Weil wir zusammen entscheiden. In Repertoirefragen sind wir uns relativ einig...

Sascha Frömbling: Das sind die unkompliziertesten Gespräche. Weil wir einen sehr gleichen Musikgeschmack haben.

-Ihr letztes CD-Projekt war „Popsongs“. Haben Sie davon was für die Klassik mitgenommen?

Dirk Mommertz: Wir klassischen Musiker versuchen sofort, in einer Phrase unser ganzes Wissen über die Musik unterzubringen. Man kann sich beim Pop abgucken, dass eine Melodie einfach im Raum steht, mit ihrer Leichtigkeit und Schönheit. Umgekehrt haben wir von einem Stück wie „Chop Suey“ der Band System of a Down profitiert, mit welcher Energie wir etwa in eine Brahms-Zingharese reingehen: einfach mal aufs Instrument hauen!

Sascha Frömbling: Unser Bogenbauer hat davon auch profitiert...

Das Gespräch führte Thomas Willmann.

Konzert am morgigen Samstag im Stadtsaal Fürstenfeldbruck,

Telefon 08141/ 666 54 44.

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