Einfach schön

- Diesmal war alles ein bisschen anders: kein Streichquartett, kein Bach, kein Schubert - sondern: Gustav Peter Wöhler, Kultsänger aus Hamburg mit großer Fangemeinde auch in Bayern, röhrte, schmalzte, schluchzte und legte singend sein Herz der Preisträgerin zu Füßen. Filmregisseurin, Schriftstellerin und neuerdings auch Opernfrau Doris Dörrie wurde Donnerstagabend mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München, der höchsten Auszeichnung, die die Stadt auf künstlerischem Sektor zu vergeben hat, geehrt. Aus- und überbucht der Saal im alten Münchner Rathaus. Entsprechend der Jubel für die Wahl-Münchnerin aus Hannover.

<P>OB Christian Ude legte sich mit seiner Huldigung mächtig ins Zeug. Jedes Buch von ihr habe er gelesen. Und: Es gebe kein größeres Vergnügen für "Menschen mit gutem Geschmack und schlechtem Charakter", sich an den gestörten Verhältnissen anderer Menschen zu delektieren.<BR><BR>Zu einer Art Vorlesung geriet dann die Laudatio von Kulturreferentin Lydia Hartl. Es gebe für einen Künstler zwei Todsünden: unterhaltsam zu sein und erfolgreich, Doris Dörrie bekenne sich zu beiden. Dann folgten Persönlichkeitsbeschreibung - "ein Vampir, der auf Geschichten aus ist" -, Filmanalysen, Buch-Beurteilungen, alles en detail. Und man wünschte sich, dass der Küchenwecker, den Hartl in Anspielung auf Dörries Lehrtätigkeit aufs Rednerpult gestellt hatte, der Laudatorin selbst als Zeitbegrenzer gedient hätte . . .<BR><BR>Doris Dörrie, die Gepriesene, bedankte sich strahlend: "Mir ist ganz schwach von all dem Lob." Dann aber hob sie sehr stark, mit viel Witz und in freier Rede an, München und Bayern ihre Liebe zu erklären und all die soeben vernommenen Würdigungen herunterzuschrauben auf das ihr eigene Normalmaß der Bescheidenheit. Als eine Art Lebensmotto nannte sie den viel zitierten Satz aus ihrem Film "Männer": "Ein Mann ist, was er macht; eine Frau ist, was sie ist." Und gestand, dass er nicht von ihr, sondern von Friedrich Engels stammt. So brauchte auch an diesem, eigentlich verfrühten, Feier-Abend Doris Dörrie nichts weiter zu tun, als zu sein: unverstellt, natürlich, aufrichtig, eben einfach schön. </P>

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