Einfach nur Show

- Schon vor dem Konzert wird klar: Das Management von Anastacia leistet ganze Arbeit. Ein halbes Dutzend hochklassiger Sponsoren bringt großflächig seine Werbebotschaften unters Volk. Wenn das Konzert in Münchens ausverkaufter Olympiahalle schließlich beginnt, weiß man, wofür Anastacia das dermaßen verdiente Geld ausgibt: für eine pompöse Show, die wie eine wilde Mixtur aus Cirque du Soleil, Betriebsfeier und Therapiesitzung daherkommt.

<P>Mit militärischer Präzision und gewaltigem technischen Aufwand wird eine Revue dargeboten, die an Perfektion schwer zu überbieten ist. Der audiovisuelle Overkill beinhaltet Tänzer, bewegliche Kulissen, computeranimierte Projektionen auf Video-Leinwänden und raffinierte Lichteffekte. Miss Anastacia Newkirk aus New York bietet ihren Anhängern also einiges. Bei "One Day in your Life" dürfen zwei Fans auf der Bühne mitsingen, später taucht sie unvermittelt auf einer kleinen Bühne mitten in der Arena auf und besucht dann noch die Zuschauer ganz hinten, die sonst auf die Videoleinwände angewiesen sind, um ihren Star sehen zu können.</P><P>Hochprofessionell ist das alles, aber auch ein wenig seelenlos in der genau kalkulierten Wirkung. Anastacias Moderationen, in denen sie über Gott, ihre Krankheit (sie wurde wegen Brustkrebs behandelt) und ihre Abneigung gegen Krieg redet, sind einfach nur Showelemente. Man glaubt Anastacia natürlich, dass sie die Anteilnahme der Fans rührt. Und ihre Freude, wieder auf einer Bühne stehen zu können, ist aufrichtig. Aber sie unterwirft sich ohne Not dem Diktat der Choreographie und entscheidet sich im Zweifel lieber für die Form als für den Inhalt: Egal was sie sagt - es soll gut klingen. Das ist nicht verwerflich, nur passt es nicht ganz zum Image des bodenständigen Mädchens von nebenan, das eben gerne singt. Anastacia ist in Wahrheit eine klassische Entertainerin, keine rotzige Rockerin mit Botschaft.</P><P>Deswegen funktioniert dieses Konzert auch als "Event". Ein musikalisches Erlebnis ist es freilich nur bedingt. Zwar verfügt Anastacia über eine wirklich faszinierende Stimme, aber ihre Songs klingen allesamt sehr ähnlich. Ihre exzellente Begleitband bringt etwas Farbe in das Klangbild, doch es bleibt der Eindruck soliden Durchschnitts. Ein hübsche Wundertüte mit enttäuschendem Inhalt.</P>

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