Sie wollten nie als Wiesn-Band wahrgenommen werden – und sind es auch nicht: Gert Steinbäcker, Schiffkowitz und Günter Timischl (v. li.) von STS.

S.T.S.: Das ist unser Erfolgsgeheimnis

München - Gert Steinbäcker hat sich mit vielen Jobs über Wasser gehalten, ehe er 1978 mit Schiffkowitz und Günter Timischl die Erfolgsband S.T.S. gründete. Im großen Interview anlässlich der Abschiedstournee verrät er das Erfolgsgeheimnis des Trios.

Gert Steinbäcker (59) ist das erste S in S.T.S. Mit Günter Timischl und Schiffkowitz wurde er zu einem der erfolgreichsten Exportschlager der österreichischen Musikszene. Nun gehen die drei Steirer das letzte Mal gemeinsam auf Tour und bringen ein „Best of“-Album heraus.

Am heutigen Freitag und am Samstag gastieren S.T.S. in der Münchner Olympiahalle, nur noch für das heutige Konzert gibt es Restkarten an den Vorverkaufsstellen und der Abendkasse.

Im Interview verrät Gert Steinbäcker unter anderem, ob er nach der Tournee sagen wird: „Jetzt bleib i dort“.

S.T.S. hat mit „Fürstenfeld“ einen unsterblichen Wiesn-Hit geschrieben. Leiden Sie noch darunter?

Da muss man etwas richtigstellen. Als uns diese Situation überraschend überfiel, war das absolut nicht die Richtung, in die wir gehen wollten. Unsere Reaktion war damals deswegen klar: So etwas machen wir nicht noch mal. Heute sehen wir das mit Wohlwollen. „Fürstenfeld“ und noch zwei oder drei andere Songs von S.T.S. sind sozusagen Volkslieder geworden. Darauf kann man stolz sein. Und wenn „Fürstenfeld“ immer noch auf der Wiesn läuft, ist das wunderbar. Wir wollten damals einfach nur nicht als Wiesn-Band wahrgenommen werden.

Was war es für ein Gefühl, als Sie mit „Großvater“ oder „Irgendwann bleib i dann dort“ weitere Hits hatten, die aber ganz anders klangen?

Das war schon ein Gefühl der Genugtuung, dass man mit der Entscheidung auf das eigene Profil zu setzen, richtig lag. Es wäre fatal gewesen, einem zufälligen Wiesn-Hit hinterherzulaufen.

Sie haben seit Jahrzehnten Erfolg, obwohl sie keinerlei Rummel veranstalten.

Vielleicht ist das ein Erfolgsgeheimnis: nicht krampfhaft versuchen, Aufmerksamkeit zu erheischen. Musik machen ist etwas sehr Privates, aber man teilt es mit Fremden. Nur wenn die Menschen die Haltung des Musikers mögen, hören sie der Musik zu. Mit Haltung meine ich eine gewisse Konsequenz. Wir haben das gemacht, was wir selber für gut befunden haben und nie etwas, wovon wir geglaubt haben, dass es erfolgreich sein könnte. Wir waren nie gierig. Wichtig war es, gute Lieder zu schreiben und gute Konzerte zu spielen. Dass wir damit Geld verdienen konnten, war großartig, aber nie unser Antrieb.

Erstaunlich, dass sie sich offenbar immer noch gut verstehen...

Darauf gibt es eine einfache Antwort: Wenn wir arbeiten, sitzen wir inklusive Plattenaufnahmen und Tournee eineinhalb Jahre aufeinander. Danach sehen wir uns zwei Jahre überhaupt nicht. Darüber sind wir auch sehr froh.

Früher hat man die leicht pathetischen Texte von S.T.S. gern belächelt...

Wir waren ja nie Austropopper oder Folklore-Rocker. Unsere Vorbilder waren die englischen und amerikanischen Singer/Songwriter. Und die haben ernste Themen ernsthaft behandelt. Und das haben wir eben auf Deutsch gemacht, wie es unsere Kollegen in Italien, Griechenland oder Frankreich in ihren jeweiligen Landessprachen machen. Wir haben schon mitbekommen, dass sich manche darüber mokiert haben. Aber wenn ich mir heute Unheilig ansehe - dagegen sind wir ja regelrecht flockig. Oder Xavier Naidoo! Das hätten wir uns nicht trauen dürfen.

In „Irgendwann bleib i dann dort“ besingen Sie den Traum, in Griechenland zu bleiben, wo Sie ein Haus haben. Ist das nur ein Lied oder eine Idee, die Sie vielleicht umsetzen?

Es war ein Lied, und ein Lied ist eine Idee. Es ist ein gewisser Luxus, aber ich lebe sowohl dort als auch in Österreich. Nie im Leben käme ich darauf, nur in Griechenland zu leben - oder nur in Österreich. Sie fragen mich das, weil es unsere letzte Tour ist und ich bald 60 werde, oder?

Na ja, es drängt sich auf.

Wir werden weiterhin einzelne Konzerte geben, aber dem Druck 50, 60 Konzerte am Stück zu spielen, wollen wir uns nicht mehr aussetzen. Wir sind in einem Alter, in dem man das nicht mehr leisten kann. Es ist unsinnig, das zu ignorieren. Und natürlich ist es ein Gewinn an Lebensqualität für uns. Abgesehen davon: So sichern wir eine echte Abschiedstournee bei der alle drei bei guter Gesundheit dabei sind.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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