Die einmalige Chance eines tollen Übergangs

Kunstminister Goppel: - Das Frühjahr naht und damit die Zeit für Weichenstellungen. Für Kunstminister Thomas Goppel stehen, was die Landeshauptstadt betrifft, drei wichtige Personal-Entscheidungen auf dem Programm. Darüber und über das Thema Marstall beziehungsweise einen neuen, vom Finanzminister favorisierten Konzertsaal sprach Goppel mit unserer Zeitung.

Welche Personalie ist für Sie die wichtigste? Erstens: die Ballett-Akademie und die Frage, wer auf Konstanze Vernon folgt. Zweitens: Wird Staatsschauspiel-Intendant Dieter Dorn seinen Vertrag über 2009 hinaus verlängern? Drittens: Reinhold Baumstark, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, geht 2009 in Ruhestand . . .

Thomas Goppel: Zeitliche Priorität hat die Ballett-Akademie, denn es ist höchste Zeit für einen Entschluss. Aber das ist eine Frage, die die Hochschule klären muss. Ich denke, man wird ohne weitere Verzögerung in diesem Frühjahr die Entscheidung treffen. Eine Liste mit den in Frage kommenden Kandidaten liegt vor.

Und nun zu Dieter Dorn.

Goppel: Wir werden nicht den Fehler machen, den die Stadt München gemacht hat, die Dieter Dorn mit der Nichtverlängerung seines Kammerspiele-Vertrages vor den Kopf gestoßen hat. Wir werden ihm nicht den Stuhl vor die Tür setzen. Wir haben mit dem Bayerischen Staatsschauspiel ein wunderbares Ensemble, das es zu erhalten gilt, und ein fantastisches Haus. Das ist das entscheidende Verdienst von Dieter Dorn. Die Frage, wie wir das alles bewahren, ist unabhängig davon, ob Dorn nun bis 2009 oder bis 2010 bleibt. Wir befinden uns im Gespräch darüber, die einmalige Chance eines tollen Übergangs zusammen mit Dorn herbeizuführen. Deshalb überlegen wir auch gemeinsam und ganz ohne Hast: Wer käme denn da in Frage?

Auch die städtischen Kammerspiele benötigen möglicherweise 2009 einen neuen Intendanten. Könnte es sein, dass Freistaat und Stadt um die selben Personen buhlen?

Goppel: Da Dorn gezeigt hat, was am Staatstheater alles möglich ist, und so gut wie es aufgestellt ist, denke ich, haben wir sozusagen das Recht der ersten Wahl. Man wird unser Angebot nicht ausschlagen.

Wie sieht‘s bei der Nachfolge Reinhold Baumstarks aus?

Goppel: Da befinden wir uns erst am Anfang der Gespräche. Rund um ihn sitzen so viele tüchtige Leute, dass ich mir vorstellen kann, mit einer internen Lösung weiterzumachen, allerdings auch mit einer externen Besetzung. Wir sind, wie gesagt, am Anfang.

Der Posten des Generaldirektors der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ist eine Beamten-Position. Bedeutet das, dass Baumstarks Nachfolger ein Deutscher sein muss?

Goppel: Es muss ja keine Beamtenposition bleiben.

Thema Marstall und neuer Konzertsaal. Der Marstall ist eigentlich Ihre Baustelle. Wie ist Ihre Position?

Goppel: Es wird, das hat das Kabinett beschlossen, einen Ideenwettbwerb geben und eine Bedarfsanalyse. Dass das so ist, war mein ausdrückliches Petitum. Ich bin der Meinung, wir dürfen keine Konkurrenz zu den anderen Sälen in Zeiten schaffen,da die Besucherzahlen rückläufig sind. Meine persönliche Meinung ist, dass nicht jedes große Orchester, das über keinen eigenen Saal verfügt, zwangsläufig und unbedingt das Raumszenario erweitern muss, weil man sein eigener Hausherr sein möchte - deshalb die Bedarfsanalyse.

Das Gespräch führte Sabine Dultz.

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