Einsamkeit, Liebe und Lebensüberdruss

- Frankreich trauert um eine seiner schillerndsten Schriftstellerinnen - um Françoise Sagan, die am Freitag im Alter von 69 Jahren an einer Lungenembolie gestorben ist (wir berichteten). Die Franzosen liebten sie, seit sie im zarten Alter von 18 Jahren mit ihrem frechen und damals skandalumwitterten Erstlingswerk "Bonjour Tristesse" 1954 die Öffentlichkeit verzauberte. Sogar der katholische Schriftsteller Franç¸ois Mauriac war begeistert. "Was für ein charmantes kleines Scheusal", urteilte er damals. Entsprechend groß war jetzt die Anteilnahme an ihrem Tod.

<P>Sagans erster Bestseller wurde sofort verfilmt, und die Autorin blieb jahrzehntelang eine schillernde Kultfigur der französischen Literatur. Ihre Anhänger und Bewunderer verziehen ihr viele Exzesse. "Zigaretten sind zum Rauchen da, Drogen und Alkohol zum Einnehmen und Sportwagen zum schnellen fahren", lautete ihre Maxime. Zuletzt war es still um sie geworden. Ihr Leben, das sie immer in vollen Zügen genossen hatte, war in den letzten Jahren schwierig geworden. Sie empfing kaum mehr Freunde und hatte Geldsorgen. Sie sei krank und ruiniert, hieß es aus ihrer Umgebung. Ihr Haus in der Normandie musste sie verkaufen, eine reiche Freundin beherbergte sie in einer Wohnung an der Nobel-Avenue Foch in Paris. "Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Meister", sagte Sagan einmal.</P><P>Das Bild, das die Öffentlichkeit von ihr behalten hat, ist das einer schlanken jungen Frau mit blonder Pagenfrisur, eine Zigarette im Mundwinkel am Steuer eines Sportwagens. Sagans Lebenselixier waren die Liebe zur Literatur, die Spielleidenschaft und der Geschwindigkeitsrausch.</P><P>Die Trauer um die Autorin zieht weite Kreise. Staatspräsident Jacques Chirac nannte sie "eine herausragende Figur unseres Literaturlebens". Politisch stand die Sagan allerdings links. Der sozialistische Vorgänger Chiracs, François Mitterrand, gehörte zu ihren Vertrauten.</P><P>Sagan hat die Einsamkeit, die Liebe und den Lebensüberdruss zu ihren literarischen Hauptthemen gemacht. 1984 veröffentlichte sie, die ihr Pseudonym bei Marcel Proust entlehnt hatte, ein Erinnerungsbuch mit dem Titel "Avec mon meilleur Souvenir". Ihr Privatleben streifte die zwei Mal Geschiedene und Mutter eines Sohnes darin allerdings nur ganz am Rande.</P><P>Die 1935 in Cajarc als Franç¸oise Quoirez geborene Schriftstellerin, Tochter einer wohlhabenden Industriellenfamilie, wurde 1947 in eine Nonnenschule gesteckt, wo sie es jedoch nicht lange aushielt. Wegen "Faulheit" wurde sie nach wenigen Jahren heimgeschickt. Auch bei der Abitur-Prüfung fiel Sagan 1951 erst einmal durch. Viel lieber streifte sie durch das Pariser Studentenviertel, hörte Jazz-Musik und verbrachte Zeit mit der Sängerin Juliette Gréco oder dem Philosophen Jean-Paul Sartre. Zu ihren wichtigsten Büchern gehören "Ein gewisses Lächeln", "Lieben Sie Brahms?", "Ein Schloss in Schweden", "Ein Klavier im Grünen", "Die Lust zu leben: Sarah Bernhardt", "Die Landpartie" und "Mitten ins Herz".</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unser Soul-Arbeiter
Lee Fields brachte den Club Ampere zum Dampfen
Unser Soul-Arbeiter
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten
Jempten - Falco wäre im Februar 60 Jahre alt geworden. Er starb jung, doch seine Hits wie „Rock Me Amadeus“ und „Jeanny“ begeistern die Menschen noch immer.
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten
Frauensache: Fünf Regisseurinnen ausgezeichnet
München - Ein starkes Signal beim 38. Bayerischen Filmpreis: Im Münchner Prinzregententheater wurden am Freitagabend fünf Regisseurinnen ausgezeichnet.
Frauensache: Fünf Regisseurinnen ausgezeichnet
Der Nussknacker wirbelt durchs Deutsche Theater
München - Fredrik Rydman begeistert mit seiner zeitgenössischen Version „Nutcracker reloaded“ in Münchens Deutschem Theater. Lesen Sie hier unsere Premierenkritik:
Der Nussknacker wirbelt durchs Deutsche Theater

Kommentare