Die Einsamkeit trainieren

- Ein Felsbrocken schwebt über dem Glasdach. 2,25 Tonnen, festgezurrt mit Seilen an einem Eisenträger, hängen bedrohlich über der Ausstellungshalle. Was wäre, wenn die "performative installations" mehr zur Aufführung als zur statischen Darstellung gerieten? Dann müsste sich Innsbruck gewaltig in Acht nehmen. Denn im Taxispalais hat das Siemens Arts Program Arbeiten vereint, die bei Fortführung nicht immer glimpflich ausgehen würden.

<P>Fünfmal wird Installationskunst auf den Ebenen Zeit, Raum und Erfahrung in verschiedenen Museen untersucht. Zum Auftakt der internationalen Ausstellungsreihe werden unter dem Aspekt "Gegeben sind . . . Konstruktion und Situation" Wirklichkeit und Fiktion verwoben. Historischer Bezug sind Marcel Duchamp mit dem Erfassen von Vorgaben und die Situationisten mit der Gestaltung der Realität. Aber: Die Avantgarde konnte die Welt nicht verändern, ebenso wenig wird das in Innsbruck gelingen. Doch werden künftig Büroräume, Häuser, Plakate, und Kinosäle sicher mit anderen Augen gesehen.<BR><BR>Vieles setzt, wie schon der Ausstellungstitel, auf Irritation durch Widerspruch. Ayse Erkmens felsiges Damoklesschwert bringt Natur und Technik zusammen und symbolisiert auch ein Stück von Innsbrucks Bergwelt. Mit dem Image von Tirol befasst sich Andreas Fogarasi: Logos der Tourismusindustrie werden konfrontiert mit einem Stahlbogen, bespannt mit Stahl- und Kletterseil. Panoramabilder und Zutaten des Fremdenverkehrs werden hier zitiert. Das Bergvideo von Andorra macht klar: Klischees sind austauschbar.<BR><BR>Wirklichkeit und Fiktion werden verwoben</P><P>Die Heimat von Maja Bajevic ist verschwunden. Sie musste wegen des Krieges in Sarajevo ihre Wohnung verlassen, das Gebäude steht nicht mehr. Sie wandert nun Jahre später die Wiesenfläche ab. Eine Zeichnung von Emanuel Licha und ein Modell sind der Versuch, Unersetzbares bewusst zu machen. Das Duo Karl-Heinz Klopf und Sigrid Kurz hingegen konstruiert permanent. Per Computeranimation wird ein Atelier-"Skelett" ständig neu in einer weißen Box arrangiert. Während das Räumliche schwebt, läuft die Zeit ab: Ein Zähler blendet den Countdown ein, E-Mails laufen über den Ticker. Am Ende ist alles verloren, und die virtuelle Welt beginnt erneut.<BR><BR>Gefangen in der öden Endlosschleife des Bürolebens - das ist Thema von Emmanuelle Antilles "Training Lounge". Hier wird im Video Einsamkeit trainiert, sinnloses Tun, während das Telefon klingelt. Die bedrückende Befindlichkeit überträgt sich sofort auf den Betrachter: Steht er doch in genau so einem kargen Büro zwischen Film und Wirklichkeit. Was ist nun Einbildung? Genau auf den Schnittpunkt zielt das Kinotheater im Guckkastenformat von Janet Cardiff und George Bures Miller ab. Zu den Filmszenen läuft im Kopfhörer der Ton. Scheinbar zusammenhanglose Sequenzen spitzen sich zu einer Art Krimi im Zuschauerraum zu. Mit einem Knall wird man zurückgeholt in die Wirklichkeit. Welche eigentlich?</P><P>Bis 19. Oktober, Maria-Theresien-Str. 45, Tel. 0043/ 512/ 50 83 175. Katalog zu allen Ausstellungen: 19,80 Euro.<BR></P>

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