Einsatz in der Ehekrise

- "Wer die Liebe erfahren durfte, weiß die Freundschaft zu schätzen", feixt Andreas, bester Freund eines glücklos Wiederverheirateten. Dabei hat er es auch nicht leicht, denn seine Freundschaft mit dem in schöner Regelmäßigkeit himmelhoch jauchzenden, zu Tode betrübten Martin ist weniger aufregend als eine Beziehung, aber mindestens so anstrengend. Und auch Clarabella weiß von ihren Katastropheneinsätzen in den Beziehungskrisen ihrer besten Freundin ein Lied zu singen. Wobei die zitathaft angestimmten Liebes- und Trennungslieder Gabriel Baryllis schwarzer Komödie "Ohio - Wieso?!" eine ganz versöhnliche Note geben.

Der Wiener Schauspieler, Autor und Regisseur hat die deutsche Erstaufführung im Münchner Theater 44 auf einem hohen Energieniveau inszeniert. Weil Mann und Frau inzwischen mehr trennt als eine Wohnungstür, öffnet Martin diese gewaltsam, und in der letzten hasserfüllten Umarmung lösen sich zwei Schüsse. Man könnte meinen, es folgte nach diesem rasanten Anfang eine absehbare Rückschau auf die alte "Frauen und Männer passen nicht zueinander"-Vorgeschichte.

Aber Barylli gibt dem Stück durch die ans Publikum gerichteten Kommentare jener besten Freunde eine besondere Perspektive. Und da analysiert Peter Bamlers listiger Andreas: "Es musste so kommen, denn sonst wäre es langweilig. Aber zitieren Sie mich nicht!" Das muss man natürlich zitieren, denn allein die Tatsache, dass immer wieder neue, raffinierte Stücke wie dieses von Barylli zum Thema entstehen, ist Beweis genug für seine These. Um ein paar Längen und Gemeinplätze kommt auch Barylli nicht herum. Aber die komödiantische Energie und bisweilen ernste Tiefe besonders der Hauptdarsteller Belle Scholz und Marcus Morlinghaus machen die Beziehungsanalyse zum nachdenklichen, ironischen Spaß.

Bis Dezember 2005. Karten: Tel. 089/ 322 87 48.

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