Zum Einsingen in den Pool

- Vom neuen Wagner-Traumpaar wird derzeit in Bayreuth geraunt - mit voller Berechtigung, denn Petra-Maria Schnitzer und Peter Seiffert sind sowohl auf der Bühne als auch im richtigen Leben verheiratet. In vier der sechs "Lohengrin"-Vorstellungen kann man sie gemeinsam erleben. Die Sopranistin feierte mit ihrem Bayreuther Elsa-Debüt einen Riesenerfolg. Seiffert, früher mit einer anderen Elsa-Sängerin, mit Lucia Popp verheiratet, hat sich am Grünen Hügel längst als der Gralsritter etabliert.

<P> </P><P><BR>Singt man anders, wenn der Ehepartner auf der Bühne steht?<BR><BR>Schnitzer: Es ist natürlich schön, weil ein großes gegenseitiges Vertrauen existiert. Wir sind aber auf der Bühne von der ersten bis zur letzten Sekunde wirklich Lohengrin und Elsa, das hat nichts mit der privaten Verbindung zu tun.<BR><BR>Seiffert: Und dennoch ist es ein partnerschaftliches Singen. Es gibt also nicht diese kleinen üblichen Reibereien, zum Beispiel, wie lange man den Ton im Gegensatz zum andern hält.<BR><BR>Fiebert man trotzdem mit dem andern mit?<BR><BR>Schnitzer: Ich bin zu sehr auf mein eigenes Singen konzentriert. In seiner "Gralserzählung" allerdings, wenn ich nur so dasitze, dann höre ich mir Peter genau an, ob etwa technisch alles o.k. ist. <BR><BR>Seiffert: Man zittert doch nur, wenn der Partner wirklich Probleme hat. Als Petra anfangs ihr "Einsam in trüben Tagen" sang, hatte ich in der Garderobe den Lautsprecher an. Und es klang so gut, da hätte ich das Ding auch wieder ausknipsen können.<BR><BR>Nun gibt es ja Skeptiker, die sagen: Ach, die beiden wollen nur zusammen auftreten, man muss die als Paket engagieren.<BR><BR>Schnitzer: Sicher. Aber da wird die reale Marktsituation falsch eingeschätzt. Die Macht, so bestimmend aufzutretend, hätten wir doch gar nicht. Zum Beispiel musste ich in Bayreuth gleich zweimal für die Elsa vorsingen.<BR><BR>Seiffert: Außerdem: Wenn wir nur unter dieser Bedingung auftreten wollten, würde man unter Umständen eine ganze Produktion zerstören, weil alle sagen: Ah, der hat sie mit untergebracht. Da würde uns beiden doch Singen keinen Spaß mehr machen.<BR><BR>Ist die Elsa für Sie eine Traumpartie?<BR><BR>Schnitzer: Sie kommt mir stimmlich und von der Figurenzeichnung wahnsinnig entgegen. Ich kann mich wunderbar in den Charakter einfühlen. Die Musik hat etwas Magisches, das reißt mich so mit. Ich muss da schon einen kühlen Kopf behalten.<BR><BR>Und hätten Sie an Elsas Stelle die Frage gestellt?<BR><BR>Seiffert (fällt ihr lachend ins Wort): Ein bisschen später vielleicht.<BR>"Lohengrin ist kein<BR>wilder Valentino <BR>mit dem lüsternen<BR>Augenaufschlag, der <BR>sagt: Dich krieg ich auch noch ins Bett."<BR>Peter Seiffert<BR><BR>Schnitzer: Na, na. Die Frage ist ja nur ein Symbol für die Aufgabe, ob Elsa wirklich diesem Mann voll und ganz vertrauen und seine Vergangenheit ausblenden kann. Und daran wäre ich - wie viele andere auch - wohl gescheitert.<BR><BR>Warum verlangt Lohengrin auch derart Unmenschliches . . .<BR><BR>Seiffert: Der hat doch ein Frauenproblem, wenn man bedenkt, aus welch keuscher Welt er kommt. Er bringt Elsa fast so weit, bis sie die Frage stellt. Einfach, weil Lohengrin einer Pleite in der ersten Liebesnacht aus dem Weg gehen will. Lohengrin ist kein wilder Valentino mit dem lüsternen Augenaufschlag, der sagt: Dich krieg' ich auch noch ins Bett. Und Elsa könnte auch ein typischer Opernfan sein. Die stellt sich in ihrer Fantasie einen idealen Wundertyp vor, bis sie dem Menschen in der Realität begegnet und erschrickt: Ach Gott, privat ist der ja ganz anders.<BR><BR>Wie halten Sie's eigentlich mit gegenseitiger Kritik?<BR><BR>Seiffert: Petra ist da viel feinfühliger, ich bin mehr der Elefant im Porzellanladen. Und wenn wir über Oper oder Musik überhaupt reden, können wir uns manchmal auch gegenseitig ganz schön runterziehen.<BR><BR>Schnitzer: Wobei wir die Sache letztlich locker nehmen. Wir sind keine verbissenen Sänger, die schon Tage vor der Vorstellung nichts sprechen oder etwa keinen Tropfen Alkohol trinken.<BR><BR>Ihre Elsa war ein Doppeldebüt: zum ersten Mal diese Rolle, zum ersten Mal Bayreuth. Wie ist es da um die Nervosität bestellt?<BR><BR>Schnitzer: Das hat sich nach der Generalprobe etwas gelegt, weil ich einfach merkte: Es läuft. Im Vorfeld hatte ich schon Angst, da man weiß, dass gerade in Bayreuth Intendanten und Agenten in der Generalprobe sitzen. Und manchmal dachte ich, die ganze Stadt hatte eine Karte, weil wir danach so viel Schönes gehört hatten.<BR><BR>Seiffert: Und Petra hat sich gefühlt wie eine englische Prinzessin - immer huldvoll in die Menge winkend.<BR><BR>Schnitzer (stößt ihn in die Seite).<BR><BR>Spürt man denn als Sänger in Bayreuth wirklich diese besondere Stimmung, wovon so viele schwärmen?<BR><BR>Schnitzer: Es ist schwer zu beschreiben. Man konzentriert sich hier nur auf Wagner, ist nicht abgelenkt. Es gibt einen ganz eigenen Rhythmus aus Probe, Erholung und Vorstellung, dazwischen genießt man oft die Natur. Wir haben uns ein Haus gemietet, unser dreijähriger Sohn Florestan ist dabei, auch meine Schwester, die sich um ihn kümmert. Und die Kollegen sind so nett.<BR><BR>Seiffert: Mir gefällt diese Schulterklopf-Atmosphäre. Außerdem werden alle von Herrn Wagner gleich behandelt, ob Techniker, Chorist oder Hauptrolle. Wir Wagner-Sänger sind ja ein lustiges Volk, viel lustiger als die vom italienischen Fach. Bei denen kommt erst die Stimme, dann lang nix und dann die Familie. Singen ist da mehr wie Kampfsport. Unser Haus hier genieße ich sehr. Wir haben einen Pool, und noch am Tag des ersten "Lohengrin" war ich Schwimmen, das lockert ungemein - und sollte bitte als neue Einsingübung eingeführt werden.</P>

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