"Einspurig und jammernd"

- Zwei Tage vor der Bekanntgabe des Literatur-Nobelpreises sind Querelen in der Jury ans Licht gekommen. Knut Ahnlund (82) hat aus Protest gegen die letztjährige Vergabe an Elfriede Jelinek seine Mitgliedschaft in der Schwedischen Akademie niedergelegt.

In der Zeitung "Svenska Dagbladet" schrieb der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, der Schaden für den Nobelpreis durch die Vergabe an die österreichische Autorin sei "irreparabel".  Die Vergabe an Jelinek habe den Wert der Auszeichnung "auf absehbare Zeit zerstört".

Ahnlund bezeichnete Jelineks literarische Arbeit unter anderem als "monoman und einspurig", "jammernde und lustlose Gewaltpornografie", geprägt von "parasitärem Charakter", "sinnlos aggressiv" sowie "von aufgeblasenem Umfang, der in schreiendem Kontrast zu ausgesprochen dünn gesäten Ideen und Visionen steht". Dazu erklärte Jelinek schriftlich: "Nein, dazu gebe ich keinen Kommentar ab."

Persönliche Fehde schon seit 1996

Ahnlund hatte wegen persönlicher Konflikte mit mehreren der insgesamt 18 Akademiemitglieder seit 1996 nur noch sporadisch an deren Arbeit teilgenommen und diese massiv in der Öffentlichkeit kritisiert. Über die Motive bei der Vergabe des mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) an Jelinek vergebenen Nobelpreises meinte er: "Die Akademie hat nicht nur ihr Bild von sich selbst für zehn Millionen Kronen gekauft, sie muss es auch ungeprüft gekauft haben." Er bezweifle stark, dass die anderen Juroren "auch nur einen Bruchteil" von Jelineks 23 Büchern gelesen hätten.

Horace Engdahl, Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, reagierte auf die Kritik mit den Worten, Ahnlunds Rücktritt sei eine "Pseudo-Neuheit", weil dieser seit 1996 ohnehin mit Ausnahme von zwei bis drei Teilnahmen an Festlichkeiten nicht in der Akademie aktiv gewesen sei.

Auch unter Experten wurde die Attacke des 1983 in die Akademie gewählten Autors als Fortsetzung heftig ausgetragener persönlicher Fehden mit "Rivalen" eingeschätzt. Der Stockholmer Verleger Svante Weyler meinte: "Diese Sache wird die Akademie zusammenschweißen."

Nach den seit 1786 geltenden Regeln der Schwedischen Akademie sind die 18 Mitglieder auf Lebenszeit gewählt und können ihr Amt auch nicht selbst abgeben. Aus diesem Grund werden die Schriftstellerin Kerstin Ekman (72) und ihr Kollege Lars Gyllensten (83) weiter als Mitglieder geführt, obwohl sie 1989 aus Protest gegen das Schweigen der Akademie zur Verfolgung des britischen Schriftsteller Salman Rushdie zurückgetreten waren.

Derzeit sind sechs der nominell 18 Mitglieder älter als 80, weitere fünf über 75 und zwei über 70. Die Hauptarbeit bis zur endgültigen Abstimmung liegt beim Nobelkomitee mit fünf Mitgliedern. Ihm gehören derzeit an: Horace Endgdahl (56) als Ständiger Sekretär, die Schriftsteller Per Wästberg (71), Kjell Espmark (75), Birgitta Trotzig (75) sowie Katarina Frostenson (52). Über die Beratungen muss jeweils 50 Jahre lang Stillschweigen bewahrt werden.

Einen eindeutigen Favoriten gibt es auch 2005 nicht. Wie fast jedes Jahr wird der Amerikaner Philip Roth genannt, auch sein Landsmann Don DeLillo. In den Wettbüros wird allerdings der syrische Lyriker Adonis und sein koreanischer Kollege Ko Un. Ein Nobelpreis für Lyrik: Ein solches Votum fällt die Jury eher selten.

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