Der Einzelkämpfer

- "Wer nicht im Mainstream ist, der ist auf seine Weise einsam. Das geschieht bei mir aber klaglos, ohne Vorwurf." Erhobenen Hauptes spricht Filmregisseur Hans-Jürgen Syberberg, der morgen 70 Jahre alt wird, über seine Einzelkämpfer-Position im deutschen Kulturbetrieb. Dabei weiß er natürlich ganz genau, dass er mit seiner "Deutschen Trilogie" über Ludwig II., Karl May und Hitler sowie dem dokumentarischen Anhang über die Bayreuther Ex-Herrin Winifred Wagner schon längst deutsche Filmgeschichte geschrieben hat.

Das siebenstündige Werk "Hitler - Ein Film aus Deutschland" von 1977 gilt als sein Opus magnum. Die "Deutsche Trilogie" ist im westdeutschen Film wohl der geschlossenste Versuch, sich mit der deutschen Volkspsyche auseinanderzusetzen, was dementsprechend im Ausland viel beachtet wurde, mehr als zu Hause, auch wenn es hier Preise gab wie das Filmband in Gold oder das Bundesverdienstkreuz. Später kamen noch Syberbergs berühmte "Parsifal"-Deutung oder "Die Nacht" (jeweils mit Edith Clever) dazu.

In den letzten Jahren hat sich Syberberg, der Abschied von der großen Leinwand genommen hat, auf Kunstinstallationen und das Internet verlegt, seiner neuen Leidenschaft, mit der er zum Beispiel das ferne Heimatdorf Nossendorf in Pommern mit einer Flut von Bildern und Texten virtuell wiedererstehen ließ.

Mit diesem "Archiv des Lebens" und dem "Weltschmerz im Netz" kehrte Syberberg zu seinen Ursprüngen zurück, als er 1952 bei Bertolt Brecht am Berliner Ensemble die Proben dokumentierte. Bald danach ging Syberberg in den Westen und ließ sich in München nieder. "Es macht mit sehr viel Spaß", meint der Regisseur zu seinen heutigen Handkamera-Streifzügen auf dem einstigen Gutsbesitz der Eltern in Vorpommern. "Das ist doch der Autorenfilm auf den letzten Punkt gebracht." Das große Leinwand-Kino sei sowieso kaputt.

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