Der Einzigartige

- Der Zeitpunkt war gut gewählt. Ausverkauftes Haus. Auf der Bühne des Residenztheaters ging Rolf Boysen mit seiner "Aeneis"-Lesung (Fassung: Laura Olivi) in die letzte Runde, für die er am Ende mit stehenden Ovationen orkanartig gefeiert wurde.

Ein großer Moment der Vergegenwärtigung von Kunst und des Erlebbarmachens von Text. Ein berührender Augenblick, denn jeder im Saal war sich der Einzigartigkeit dieses Abends wohl bewusst. Doch schon vor Beginn hielten im Foyer die Besucher inne vor einer großen Schrifttafel. Auf ihr zu lesen die aktuelle Position zum Thema Theaterstreik. Chefdramaturg Hans Joachim Ruckhäberle bezieht Stellung - fürs Publikum, fürs Theater.

Hier der Text in Auszügen: ". . . Theater ist Streit, aber nicht Streik . . . Wie groß muss die Verzweiflung sein, über Wochen den eigenen Arbeitsplatz zu boykottieren? Konkret aber schadet der Streik dem Theater und damit dem Erhalt der Arbeitsplätze. Streik im subventionierten Theater ist sinnlos. Er verprellt die, die sich für das Theater, unser Theater interessieren . . . und hilft denen, die streiken, nicht . . .  Jeder muss einsehen, dass Streik im Theater keinen öffentlichen Druck erzeugt.

Der Streik . . . ist ausgesetzt, aber nicht beendet. Die Forderungen bleiben. Es geht um die Arbeitszeit, es geht um Geld, und es geht um Anerkennung. Konkret um die Anerkennung der ,hinter den Kulissen’ geleisteten Arbeit, die ein Teil des ,Produktes Theater’ ist. So gut und so schlecht, wie diese Arbeit geleistet wird, ist auch die Qualität der Vorstellungen. Bei diesem Streik um arbeitsrechtliche, finanzielle und menschliche Anerkennung ist aber die Anerkennung und Achtung der künstlerischen Arbeit und die der Zuschauer zu kurz gekommen. Der Streik wirkt gegen sie, nicht gegen den Streikgegner, den Freistaat Bayern. . .  Die künstlerisch kalkulierte Wirkung aller Elemente: So entsteht das Gesamtkunstwerk Theater. Die durch den Streik bedingten Fassungen unserer Inszenierungen, weitgehend ohne Bühnenbild, sind spannend, weil sie Schauspielkunst ,pur’ zeigen, aber sie zeigen nicht die ganze Inszenierung. Das ist jedem bewusst, aber es ist wichtiger zu spielen als zu schließen."

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