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Einzigartige Funde - Archäologische Staatssammlung München: "Welterbe Limes -­ Roms Grenze am Main"

München - Der Limes von Koblenz am Rhein bis Regensburg an der Donau ist mit seinen 550 Kilometern nach der Chinesischen Mauer (6350 Kilometer) das zweitgrößte Bodendenkmal der Welt und gehört seit 2005 zum Welterbe der Unesco.

Ein Stückchen von dieser berühmten Festungs-Grenze des Römischen Reichs im Norden, die ab dem zweiten Jahrhundert die Germanenstämme auf Distanz halten sollte, ist nun in der Archäologischen Staatssammlung München zu sehen: "Welterbe Limes - Roms Grenze am Main". Ins Blickfeld rückte das Gebiet zwischen Miltenberg in Bayern und Großkotzenburg in Hessen. Für die Münchner Archäologen am wichtigsten dabei ist Obernburg, denn dort entdeckten sie ein einzigartiges Gebäude.

"Der Limes ist kaiserliches Land", erklärt Projektleiter Bernd Steidl. Wenn sich die übrigen Provinzen des Imperiums (Gesamtgrenze 8500 Kilometer) selbstständig verwalteten, dann gab es am Limes Statthalter. Kohorten-Kastelle für je 500 Soldaten und kleinere Anlagen für flexible Einsatztruppen und Kundschafter bildeten des Rückgrat des Limes. Genauso wichtig wie das Militär war jedoch eine effiziente Verwaltung. So konnten einfache Soldaten als sogenannte Benefiziarier den Statthalter vertreten. Die Forscher wussten, dass es solche Stützpunkte gab, konnten sich allerdings keine genaue Vorstellung davon machen. Das ist mit dem Obernburger Fund anders geworden. Da gab es ein Peristylhaus (mit Innenhof samt Arkaden), das repräsentativ wirkte.

Im Museum an der Lerchenfeldstraße will man den Besuchern mit der Sonderschau ein wenig das Gefühl vermitteln, einen typischen Limes-Ort zu betreten. Deswegen wurden 25 Tonnen Stein ins Haus geschafft: vom Grabdenkmal über Weihesteine und Kastellzinnen bis hin zu Götterbildern. "Im Maingebiet blieb viel erhalten", erläutert der Ausgräber Steidl. Die späteren Bewohner hätten den Baustoff nicht in dem Ausmaß für sich verbraucht wie in anderen Limes-Gegenden. Allerdings schildert ein Raum der Ausstellung, der den Bogen zu den karolingischen Franken schlägt, doch einige Umnutzungen. Da ist zum Beispiel ein Kellerraum zu besichtigen, der ganz aus römischen Steinen besteht. In Extragruben lagen all die Steinmetz-Verzierungen, die die neue Funktion nur gestört hätten.

Wer sich dem Kastell näherte, kam zunächst durch die Grabstätte und konnte an den Denkmälern die soziologische Struktur ablesen. Überhaupt waren die Römer, zum Glück für uns heute, recht mitteilungsfreudig - in Stein gemeißelt. So erfahren wir von dem Zenturio, der als Soldat gar nicht verheiratet sein durfte, aber doch Frau und Kinder hatte und diese erst nach 25 Jahren legitimieren konnte. Aber auch Götter und Kaiser wurden gepriesen. Magna-Mater-Inschriften verweisen auf Orgien-Kulte mit Bluttaufen aus dem Osten, ein Jupiter mit Sonnenrad unterm Arm hat sich in einen keltischen Gott verwandelt. Da die Kelten die ursprüngliche Bevölkerung stellten, zeigte sich die römische Herrschaft tolerant, ließ zugleich ferne Götter wie Mithras zu. All das gab der Main-Boden her. Egal, ob das Schreibzeug der Benefiziar-Verwaltung, eine schöne, silberne Votivgabe für Merkur, ein Salbtöpfchen, auf dem sich Panther und Eber angreifen, Delphin-Mantelfibeln aus Britannien, bunt emaillierte Zierstücke oder schlicht Händlerwaage, Schuhsohle und Geschirr.

Neben den großen Stein-Gevierten und den kleinen Vitrinen veranschaulichen Bilder das Leben am Limes. Beim Kastell hatten sich Händler, Therme und Dienstleister aller Art angesiedelt. Kaianlagen sind am Mainufer erkennbar. Auf dem Fluss, den die Limesstraße begleitete, wurde getreidelt. Auch die Holzfäller, die im Spessart auf germanischem Gebiet arbeiteten, haben sich - einmaliger Fund im Reich - auf einer Stele verewigt. Sie lieferten die Energie für eine riesige Ziegelei. Auch die gestempelten, flachen Ziegel Quadrate wurden ausgegraben. Darüber hinaus ziehen feine Alltagsgeräte den Blick auf sich. Der lustige bronzene Wasserspeier - eine Seltenheit - wurde nicht eingeschmolzen, hat also überlebt genauso wie das Baby-Saugfläschchen aus Glas. Oder die eindrucksvollen Reitermasken aus Metall, die bei Kampfspielen zum Einsatz kamen: lockige Westler gegen herausgeputzte Orientalen.

Die Benefiziarier-Station, die so viel zu erzählen hat, wurde wahrscheinlich in der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. geplündert und niedergebrannt. Jetzt ist sie Teil des Weltkulturerbes, für das sich unter anderem die Staatssammlung einsetzt.

4. April bis 14. September,

Tel. 089/ 21 12 402.

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