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Sebastian Adelhardt ist seit 2012 Chordirektor an St. Peter und verantwortlich für den Zyklus.

„Das öffnet die Herzen“

Einzigartiger Zyklus: Mozarts Kirchenmusik im Alten Peter

München - Sebastian Adelhardt, Musikchef in St. Peter, hat sich ein ambitioniertes Projekt vorgenommen - Mozarts Kirchenmusik. An diesem Sonntag erklingt ein besonderes Werk.

Die zyklische Aufführung aller Bach-Kantaten? So umfangreich und aufwändig das sein mag – an ein solches Projekt haben sich schon mehrere gewagt. Doch wie steht es um Mozarts gesammelte Kirchenmusik?

Seit 2012 ist Sebastian Adelhardt Chordirektor am Alten Peter. Früh von Orgel und Gesang fasziniert, studierte der 1979 geborene Münchner katholische Kirchenmusik und Chordirigieren an Musikhochschule seiner Heimatstadt. Nach einer ersten Anstellung in Moosach wurde ihm gleich der Posten als Musikchef an St. Peter anvertraut. Zum 260. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart führt er heuer (fast) alle Werke auf, die das Salzburger Genie für die Liturgie komponiert hat – ein nicht nur für die Landeshauptstadt einzigartiger Zyklus. An diesem Sonntag, dem Weißen Sonntag, erklingt die „Orgelsolomesse“.

Was ist das Besondere daran, an St. Peter Kirchenmusiker zu sein?

Sebastian Adelhardt: Die vielen Möglichkeiten, die man hier hat. Fast jeden Sonntag eine Orchestermesse spielen zu dürfen, aber auch unter der Woche Maiandachten, Ölbergandachten oder andere Feste musikalisch gestalten zu dürfen, das ist ein Traum und heute eine absolute Seltenheit! Darüber hinaus war ich schon als Kind in St. Peter, habe mir den „Zehnerlsegen“ an der barocken Spieluhr abgeholt oder den Türmer in den Wahnsinn getrieben. Einmal sind meine Spezln und ich einfach an ihm vorbeigerannt, als wir auf den Turm wollten. Dafür ist er mir heut noch böse.

Sie spielen die Mozartmessen nicht als Konzerte, sondern im liturgischen Kontext. Warum?

Adelhardt: Zunächst hat es mich gewundert, dass dieses Jahr in den anderen Innenstadtkirchen so wenig gemacht wird. Die stürzen sich alle auf Max Reger, der vor 100 Jahren gestorben ist. St. Peter zeichnet sich von den anderen Kirchen ja besonders durch seine sinnenreiche Liturgie aus. Das fängt beim herrlichen Kirchenraum an. Aber auch wie gekonnt die Mesner alles schmücken, welcher Leuchter wann brennt, welcher Weihrauch, welche Messgewänder, welche Kelche verwendet werden. Das ist alles nicht nur einfach schön, sondern hat auch einen bestimmten Sinn. Und in diesem Zusammenhang hat eben auch die Musik ihren ganz speziellen, wichtigen Platz. Einerseits singt der Chor ja stellvertretend die liturgischen Texte für die Gemeinde. Andererseits bringt die Musik zusätzlich eine transzendente Komponente in die Liturgie ein. Damit hilft sie auch, dass sich die Herzen der Gläubigen öffnen. Im Idealfall ergänzt sich also das, was vorne am Altar und was oben auf der Empore passiert. Weil Mozart das genau wusste, wäre vieles verschenkt, wenn man ihn nicht in diesem Zusammenhang aufführen würde. Zudem spielen wir ja auch das Requiem, Psalmvertonungen oder Kirchenkantaten aus seiner Feder. Beim liturgischen Reichtum in St. Peter können wir diese Werke auch wirklich an den Stellen anbringen, an die hingehören.

Was unterscheidet eine Mozart- von zum Beispiel einer Haydn-Messe?

Adelhardt: Haydn hatte bei seinem Grafen Esterhazy super Musiker, und das hört man auch, weil er vom Orchester sehr viel verlangt. Mozart hingegen war in einer großen Stadt an einer bedeutenden Kathedrale. Da musste er viel mehr produzieren, in kürzeren Zeitabständen. Da ist keine Note zu viel. Bei ihm findet man das Große, Schwierige im Kleinen. Darum ist es auch eine gute Erziehung für Chöre, Mozart-Messen zu singen.

Hört man denn, ob Mozart ein gläubiger Mensch gewesen ist?

Adelhardt:  Auf jeden Fall. In Briefen an seinen Vater hat er es oft beschrieben. Aber auch beispielsweise bei den „Sanctus“-Rufe in allen seinen Messen empfinde ich einen tiefen Glauben und Gottesfurcht. Die Vorstellung, dass alle Menschen, die verstorbenen, die lebenden und die noch nicht geborenen, in dieses „Heilig, heilig“ einstimmen ist nirgends so stark umgesetzt wie bei Mozart. In den Streichern herrscht da meist große Lebendigkeit, während darüber majestätisch der Chor thront.

Die Münchner sind in der komfortablen Position, dass kirchenmusikalisch ein reichhaltiges Angebot besteht. Gibt’s zwischen den Kirchenmusikern eine gewisse Rivalität?

Adelhardt: Ich finde es ganz wunderbar, dass bei uns so viel los ist. Der Satz ist abgedroschen, aber er stimmt: Konkurrenz belebt das Geschäft. Unsere Generation unterscheidet sich da auch etwas von früheren. Beispielsweise sind viele Sänger oder Musiker von St. Peter auch mal in St. Michael oder andernorts im Einsatz. Da unterstützt man sich eher.

Wie stellt man für die vielen Messen hochwertige Ensembles zusammen?

Adelhardt: Es schadet es sicher nicht, wenn man in München studiert hat und in der hiesigen Szene daheim ist. Oft kommen aber auch Anfragen von Musikern, ob sie mitspielen dürfen. Das geht dann viel über Mundpropaganda.

Wenn man so viel wie Sie in der Kirche ist: Besteht nicht die Gefahr, dass der Glaube zur Routine wird und nach Schema F gelebt wird?

Adelhardt:  Es gibt sicher Kollegen, denen es so geht. Ich denke, es liegt auch an einem selbst, wie viel Engagement man einbringt, wenn man den Gottesdienst musikalisch gestaltet. Mir bringt mein Beruf auch spirituell sehr viel. Vielleicht, weil ich mich eben schon als pastoraler Mitarbeiter sehe.

Maximilian Maier

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