Eisenhart erarbeitet

- Chaos im Prinzregentheater: Zuschauer, die um ihren Platz kämpfen und dann doch dicht gedrängt, sitzend oder stehend, die Treppenaufgänge belagern - und das sogar für schlappe 70 Euro. Na, wenn Showstar Ute Lemper kommt, ist was los, mutmaßte man. Aber nein: Veranstalter Bell'Arte klärte allerdings erst nach der Pause auf - die Computer hatten 60 Karten doppelt ausgedruckt.

<P>Die Feuerpolizei drückte ein Auge zu, die Fans nahmen's gelassen. Und die Lemper konnte loslegen, hinter ihrem wie immer tief dekolletierten Rücken diesmal das Orpheus Chamber Orchestra aus New York. Ein Kammerorchester, das mit seinen 26 flotten Musikern erst mal mit Darius Milhauds Suite aus "Saudades do Brazil" einstimmte und dann Lempers Lieder und Moderation (immer eine Spur pädagogisch) streichersatt und bläserflott auspolsterte. Nach ihrem Jazz-Konzert, letzte Saison auch im "Prinze", sang Ute Lemper sich diesmal unter dem Motto "Aufbruch, Umbruch, Evolution, Revolution" durch Klassiker von Weill und Eisler bis Brel und Piaf.<BR><BR>Ihr Chanson-Französisch ist perfekt, das "r" tremoliert. Auch top der Akzent und die exotische Klangfärbung und Phrasierung im jiddischen "Bokserboym"-Lied und in "Arabisch/ Hebräische Reise". Fremdsprachen - "no problem" für la Lemper. Und aus dem begrenzten Bereich ihrer Stimme holt sie das Maximum heraus. Das plärrt dann manchmal - besonders auffallend in den selbst geschriebenen englischen Songs -, weil sie mit Lautstärke kompensiert, wo die Piaf aus dem Vollen schöpfen konnte. Die Lemper hat sich alles eisenhart erarbeitet. Davor großen Respekt.<BR><BR>Ihr Abend hat auch ohne Zweifel eine Qualität. Aber er berührt nicht. Der Wille zur Perfektion ist zu stark. Vielleicht, wenn sie einmal nicht mehr "festhält" - die Verkrampfung schon in den Schultern -, kommt irgendwann eine ganz originelle Lemper zutage. Und mit dem richtigen Stylisten würde sie mindestens so schön wie die Garbo.</P><P> </P>

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