Starkoch Paul Bocuse ist tot

Starkoch Paul Bocuse ist tot

Ekstase der Lebenssehnsucht

- Von der Flucht des Liebespaares entlang schmaler Ruinengrate bis zum Ballett der Airforce-Hostessen auf ihren Schreibtischen - auch wenn die Details in ihrer Überfülle sich nach wie vor oft nicht zu einem schlüssigen Ganzen fügen wollen: In David Aldens Version der "Walküre" in den zyklischen "Ring"-Aufführungen dieser Tage an der Bayerischen Staatsoper gelangen immer wieder Augenblicke großer Dichte. Aldens genialische Geistesblitze bedürfen der Spitzenleistung aller Mitwirkenden: Sie ist in der Lage, die Reihung starker Einzelmomente letztlich doch zu einem starken Gesamtkunstwerk zusammenzuschmieden.

<P>Und sängerisch war diese "Walküre" durch die Bank so hochkarätig besetzt, dass sogar eine überzeugende Interpretation wie die von Robert Dean Smith als Siegmund schon zu den "schwächeren" Leistungen zählen konnte. Smith verfügt, von baritonal fundierter Tiefe aus agierend, über große Kraftreserven; dennoch fehlte, vor allem im ersten Akt, der Stimme im hohen Register wirkliche Freiheit der Tongebung: Parlando-Passagen gerieten beiläufig leise, länger ausgehaltene Spitzentöne schwollen tremolierend auf bis zur Forciertheit.</P><P>Dennoch gelangen ihm und Violeta Urmana als Sieglinde eine Studie des schuldlos zwischen alle Fronten geratenen Geschwister-Liebespaares, die zu Herzen ging. Urmanas Wandlung vom Pianissimo der Todessehnsucht zur Ekstase der Lebensbejahung: einer der anrührendsten Momente im dritten Akt. Alan Titus sang, trotz Spuren von Ermüdung, einen präzise durchformten Wotan in all seiner hinreißenden Zwiespältigkeit, die großartige Mihoko Fujimura als Fricka war ihm dabei eine souveräne Gegenspielerin. Dass Matti Salminen mit nachtschwarzer Bass-Bosheit schon seit rund 30 Jahren zu den besten Sängern des Hunding gehört - fast schon ein Allgemeinplatz. Gabriele Schnaut hat über die Jahre und auch über diesen "Ring" ihre künstlerische Ausdrucksfähigkeit immer wieder um neue Nuancen bereichert: Zur metallischen Kraft ihrer Stimme - bei Zubin Mehtas transparent-zupackendem, dabei nach wie vor nicht sehr sängerfreundlichem Dirigat ein Muss - kamen in der Finalszene subtilste Abschattierungen klarer Gebrochenheit. <BR><BR></P>

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