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Blick auf Münchens „Second Wave“ an der Prinzregentenstraße. Um El Anatsuis Informationswelle besser wirken zu lassen, wird das monumentale Spruchband „The Joys of Yiddish“ von Mel Bochner noch abgehängt.

El Anatsui gestaltet die Installation „Second Wave“

Eine neue Fassade fürs Haus der Kunst

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Der afrikanische Künstler El Anatsui hat für die Fassade am Haus der Kunst die Installation „Second Wave“ entwickelt.

Münchens Eisbachwelle ist berühmt und ein Hotspot der internationalen Surferszene. Schillernde Namen des Sports stellen ihr Können hier unter Beweis – unter den kritisch-bewundernden Blicken der Zuschauer an der Prinzregentenstraße. Ja, die stehende Welle ist gar Leinwandheld, wenn man so will: Vor zehn Jahren kam der Dokumentarfilm „Keep Surfing“ in die Kinos.

Die Welle, die das Flusssurfen nur wenige Schritte vom Haus der Kunst entfernt möglich macht, hat nun auch El Anatsui inspiriert. Gerade ist der Künstler aus Ghana in der Stadt, um den Aufbau der Fassaden-Installation „Second Wave“ zu begleiten, die er für die Ausstellungshalle entwickelt hat.

Millimeterarbeit im Sonnenschein. Eine von 22 Tafeln, die an der Fassade angebracht werden. 

Das Haus der Kunst wird El Anatsui, der 2015 bei der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, eine Überblicksausstellung ausrichten: „Triumphant Scale“ umfasst Werke aus fünf Jahrzehnten; sie kann von 8. März an besucht werden. Läuft alles nach Plan, wird die Installation an der Süd-Fassade entlang der Prinzregentenstraße bereits in dieser Woche fertig. „Second Wave“ ist die bislang größte Arbeit El Anatsuis und wird parallel zur Schau im Innern bis 28. Juli zu sehen sein.

Die Idee zur Installation entwickelte der Künstler, der 1944 geboren wurde, nach dem ersten Besuch im Haus der Kunst Ende 2017, wie er gestern Vormittag berichtete. Inspiriert wurde er von der Eisbachwelle – und vom „Zeitalter der Information“, in dem wir leben. El Anatsui, der zu den wichtigsten lebenden Künstlern Afrikas zählt, arbeitet gerne mit Materialien, die günstig und leicht verfügbar sind – und das sind heute eben Informationen, die längst „schneller sind als Flugzeuge“. Als Träger von Informationen hat der Künstler Druckplatten ausgemacht – aus annähernd zehntausend von ihnen besteht „Second Wave“.

Beobachtet den Aufbau seiner „Second Wave“: El Anatsui.

Die Arbeit unterteilt sich in 22 Paneele, die jeweils zehn Meter hoch und vier Meter breit sind und entlang der Säulen auf einer Länge von rund 110 Metern angebracht wurden. Die Druckplatten stammen aus der Produktion von Tageszeitungen sowie aus einer Druckerei in Bozen, die unter anderem für einen Kunstbuchverlag produziert. Sie wurden gefaltet, verformt, überlagert und vernietet sowie nach Farbverlauf angeordnet.

Wer auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht, erkennt, dass El Anatsui zwei „Informationswellen“ Richtung Friedensengel branden lässt: Die erste Welle steigt langsam an und erreicht den Scheitelpunkt über dem Haupteingang. Rechts davon baut sich die zweite sehr viel rascher, dichter auf. Nicht nur aufgrund der Größe (rund 1000 Quadratmeter Fläche) und der Materialmenge ist „Second Wave“ ein Werk, das die tägliche Informationsflut spiegelt – und die Schwierigkeit, in ihren Wellen den Überblick zu behalten.

Sobald freilich die Bäume entlang der Prinzregentenstraße ihre Blätter haben, wird auch der Betrachter einen anderen Eindruck von El Anatsuis Arbeit erhalten. Für alle, die es hier ganz genau wissen wollen: Im letzten Paneel rechts wurden Druckplatten eines Buchs für Botaniker verwendet – das Kapitel „Welcher Baum ist das?“ ist problemlos zu lesen.

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