Eleganz

- Wenn man die Auftritte von Denys Proshayev seit seinem Sieg beim ARD-Musikwettbewerb 2002 bis heute beobachtet, hat sich etwas Entscheidendes verändert: Der 1978 im weißrussischen Brest geborene Pianist wirkt inzwischen kräftiger und gestandener, kommt geraden und zügigen Schrittes auf das Podium - und er lässt sich ein Lächeln entlocken. Und dieses Lächeln war nach jedem Stück im Herkulessaal noch dezent steigerungsfähig.

Proshayev war es bisher gewöhnt, vor vollem Auditorium zu spielen, doch seit Wochen stehen die Münchner Klavierfreunde vor der Qual der Wahl, gibt sich doch hier die internationale Pianistenszene die Türklinken in die Hand. Wer zu Proshayev kam, durfte sich auf ein ungewöhnliches Programm vom Barock bis ins 20. Jahrhundert einlassen mit Werken von Rameau, Beethoven, Ravel und Prokofieff.<BR><BR>Proshayev verzichtet auf große Gesten. Zügig und konzentriert setzt er zu Rameaus ursprünglich für Cembalo geschriebener a-moll Suite an, spielt sie mit lyrisch-klarer Präzision. Die angeblich so unbelastete Musizierfreude bei Beethovens zweiter Klaviersonate in A-Dur op. 2/2, sie wollte sich bei Proshayev zumindest im Kopfsatz noch nicht ganz einstellen. Energisch als auch behutsam hier sein Ansatz, wobei er mit manchen Akkordgriffen und Dreiklangs-Figurationen an diesem Abend nicht gut Freund war. Irgendetwas machte ihn nervös, wischte er doch vor jedem Satz mit einem Taschentuch über die Tastatur. Ruhig ausgelotet hat er hingegen das Largo. Und mit seinem angenehm leichten und eleganten Anschlag durchspielte er Scherzo und Rondo.<BR><BR>Brillante Geläufigkeit und Gespür für harmonische Farbwirkungen zeigte er in der fis-moll Sonatine von Maurice Ravel. Und seinen Sinn vor allem für Dynamik und Rhythmik legte er eindrucksvoll mit der Sonate Nr. 8 in B-Dur op. 84 von Sergej Prokofieff dar.<BR><BR>

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