Eleganz und Extravaganz

- Häuslich- und Gemütlichkeit sind ja gerade in der Adventszeit überstrapazierte (Werbe-)Begriffe. Im 19. Jahrhundert benannten sie ein bürgerliches Ideal, dem aber sogar ein Spötter wie Gerhard Polt huldigt. Auf die Frage nach Hobbys sagt er kurz: Wohnen. Wie die Licht-Künstler dieses Zuhause-sein in ihren flirrenden Farbwirbeln zelebrierten, schildert Pamela Todd "Im Salon. Zu Besuch bei den Impressionisten" (Belser Verlag, Stuttgart, 176 Seiten; 39,90 Euro). Sie erweitert das Wohnzimmer bis ins Boudoir hinein und damit die Bildauswahl bis zu den Nackedeis.

Magnani und die Models

Geschichten, allerdings ganz sicher nicht vom häuslichen Frieden und stillen Glück, erzählen die antiken Epen, die uns bis heute bewegen. Paul Demont spürt deswegen in "Ilias und Odyssee. Homers Welt in Bildern" (Knesebeck Verlag, München, 255 Seiten; 39,95 Euro) all den Darstellungen der Götter, Helden und schönen Frauen nach, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind. So trägt Achill nicht nur den griechischen Chiton, sondern auch mal eine schicke Ritterrüstung mit Schwanenhelm (Renaissance-Wandmalerei) oder üppig-barocken Umhang (Tiepolo). Natürlich werden in diesem Bildband die mythischen Episoden geschildert und erklärt.

Mit dem Ende von 2005 rundet sich das "Brücke"-Jahr. Ihre feurigen Farben machten die Werke diese Maler berühmt. Magdalena M. Moeller legt mit "Künstlergruppe Brücke" (Prestel Verlag, München, 140 Seiten; 39,95 Euro) einen optisch ebenso leuchtend aufbereiteten Band vor: Das Gelb des Leineneinbands wird halb verdeckt von einem Schuber mit einem raffinierten Maskenwesen. Klar sind die Informationen zur Entwicklung der Gruppe gestaltet und zeitlich untergliedert, einprägsam die Gemäldebeispiele von idyllischen Landschaften bis zu kessen Lolitas.

Der Münchner Verlag Schirmer/Mosel widmet sich nicht nur der Fotografie - seiner großen Leidenschaft -, sondern auch einigen "Klassikern". Dazu zählt "Leonardo. Das Werk des Malers" (383 Seiten; 34 Euro), der bereits mit mehreren Spezial-Büchern, etwa zu seiner Wasser-Theorie, vertreten ist. Das Werk von Pietro C. Marani greift naturgemäß weiter: von den Gewandstudien des Anfängers über seine mädchenhafte "Madonna mit der Nelke" (Alte Pinakothek) bis zu dem so beredten wie geheimnisvollen "Johannes den Täufer"/ "Bacchus" (Louvre). Das umfassende Buch ist praktisch, weil durch das Kleinformat handlich, leider ist dadurch die Schrift auf Winzigkeit zusammengeschnurrt.

Beim Stichwort Schirmer/Mosel muss aber mindestens auch ein Foto-Buch empfohlen werden. Solche Bände gehören ja schon lange nicht mehr zu den Geschenk-Tipps für Eingeweihte; anerkannt sind sie nun wie die Foto-Kunst selbst. Mit "Richard Avedon - Woman in the Mirror" (248 Seiten; 68 Euro) legt der Verlag ein großformatiges Prachtstück mit deliziös gedruckten Lichtbildern vor. Gott sei Dank richtete Avedon seine Linse nicht nur auf perfekte Traumfrauen, sondern auch auf Persönlichkeiten. In der lachenden Anna Magnani explodiert eine alles hinwegfegende Lebensenergie, und in der völlig starren Rose Fitzgerald Kennedy verkörpern sich Reichtum und Schwäche eines mächtigen Clans. Da muss Avedon bei den schönen Models schon mehr hinzuinszenieren.

Einem anderen berühmten Fotografen widmet der französische Verlag Flammarion den Wälzer "Robert Doisneau - Paris" (400 Seiten; 49 Euro). Er ist ein unglaublich variantenreiches Kaleidoskop dieser Stadt von den 40er- bis zu den 90er-Jahren: von Barrikadenkämpfern im Zweiten Weltkrieg bis zu einer strahlenden Sandrine Bonnaire.

Fotografie und Architektur verbinden sich mit Informationen über den aktuellen Stand der Baukunst: "Lanz Architekten" (Junius Verlag, Hamburg, 167 Seiten; 39,90 Euro) zieht eine Werk-Bilanz des Münchner Teams von 1956 bis 2005, während das "Jahrbuch 2005. Architektur in Deutschland" (Prestel Verlag, München, 192 Seiten, 39,95 Euro) ein Blitzlicht setzt. Eleganz und Extravaganz werden dabei gefördert, weil man den Schwerpunkt auf Museumsbauten legt.

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