Neubau: Das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst

Eleganz, Witz und Wissen

München - „Wir verstehen uns als Kunstmuseum“, merkt Sylvia Schoske während der Neischmeck-Pressekonferenz am Freitagvormittag an. Die Direktorin formuliert damit das Credo, dem das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst schon seit Jahrzehnten folgt.

 In genau einem Monat wird das neue Domizil an der Münchner Gabelsbergerstraße im Westflügel des Gebäudes feierlich eröffnet, in dem auch die Hochschule für Fernsehen und Film untergebracht ist.

Um den „reinen“ Kunstanspruch zu untermauern, wird bei dieser Vor-Präsentation sogar ein zeitgenössisches Werk aktiviert: Maurizio Nannuccis Leucht-Schrift-Installation „All art has been contemporary“ wird im ersten Saal eingeschaltet – und wer könnte ihm widersprechen? Mit dieser Arbeit stellt das Ägyptische Museum außerdem einen Bezug her zu dem anderen Münchner Haus, das gerade eröffnet wurde: dem Lenbachhaus. Denn auch dort leuchtet von der Villenfassade ein Nannucci-Satz („You can imagine the opposite“). Neu ist zusätzlich etwas Altes, genauer: ein Alter. Mit Hilfe der Ernst-von-Siemens-Kulturstiftung kann Schoske uns den Opa von Ramses II., dem Großen, vorstellen. Mit jenem Ramses I. hat sie in ihrem Herrscherreigen (Statuenköpfe) nun den Begründer der Ramses-Dynastie (ab 1291 v. Chr.). An diesen Porträts lassen sich außerdem die Stilwandlungen ablesen, die die Echnaton-Revolution (Ein-Gott-Religion) und die folgende Rücknahme auslösten.

Im Übrigen zeigte der erste Saal bereits, wie überaus edel und elegant die altägyptischen Kunstwerke dem Betrachter entgegengebracht werden. Damit jedoch niemand vor Ehrfurcht erstarrt, gibt es eine muntere Medien-Erschließung der Ausstellungsbereiche, gestaltet wie die gesamte Optik bis hin zum Logo von der Firma Die Werft. Neben Saal-, Objekt- und Faltblatttexten wird zum Beispiel ein Multimediaführer angeboten (im Eintrittspreis inbegriffen), der sowohl erklärt als auch Fotos und Filme bietet. Möglich sind ein freier Rundgang oder Themenführungen. Bei den „Medienwürfeln“, so Werft-Chef Christian Raißle, kann es sogar Trickfilme geben. Die „Jenseitsreise“ sponserte Hofbräu, während die Bayerische Sparkassenstiftung eine Einzigartigkeit finanzierte. Das acht Meter lange Totenbuch erhält einen fahrbaren Bildschirm. Wer eine Stelle übersetzt haben möchte, steuert diese einfach an. Obendrein werden die verzierenden Vignetten erläutert.

Wirklich kontinuierlich unterstützt wird das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst seit 1976 vom Freundeskreis. Er half bei der Restaurierung. Schoske: „Wir haben jedes gezeigte Werk frisch restauriert und neu gesockelt.“ Ohne Beistand wäre das illusorisch gewesen, da der Freistaat Bayern hier zu wenig zahlt und das Museum selbst nur 1,3 Restauratorenstellen hat. Wunderbar ist darüber hinaus die andere Freundes-Tat: der Raum „Ägypten (er)fassen“. Sehbehinderte und alle anderen Tast-Begierige dürfen Repliken berühren und auch Fertigungsschritte nachvollziehen. 20 Gesteinsproben lassen einen Ägypten erfühlen.

Die Direktorin kann zur Eröffnung am 10. Juni ihre Besucher zwar nicht einladen. Aber es gibt am Tag zuvor eine Art Fest. Um 17 Uhr, am 9. Juni, einem Sonntag, schließt das alte Museum in der Residenz (Hofgartentrakt), und in einer Prozession geht’s zur Gabelsbergerstraße. Musik, Tanz, Gesang mit eingeschlossen. Ruth Geiersberger und Stefan Dreher gestalten die Performance aus „aus Zug“, „um Zug“ und „ein Zug“. Allerdings bleibt das Museum noch tabu. Zugänglich ist es von 11. bis 15. Juni bei freiem Eintritt von 10 bis 20 Uhr; danach dienstags von 10 bis 20 Uhr und Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Die reguläre Karte kostet sieben Euro; Kinder bis 16 Jahre zahlen nichts.

Simone Dattenberger

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