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Ein Bibliothekar in seinem Element.

Elektronische Medien fordern Bibliotheken heraus

Erfurt - Die Bibliothekare in Deutschland plagen immense Geld- und Existenzsorgen.

Neben dem drohenden Wegbrechen öffentlicher Gelder durch die Wirtschaftskrise stellten Digitalisierung und elektronische Medien die rund 9000 öffentlichen Bibliotheken vor neue Herausforderungen, sagte der Vorsitzende des Vereins Deutscher Bibliothekare, Ulrich Hohoff. “Wir haben damit zu kämpfen, dass wir steigende Preise haben, aber keine steigenden Budgets“, sagte Hohoff zum Auftakt des viertägigen 98. Deutschen Bibliothekartages am Dienstag in Erfurt.

Die 3500 Teilnehmer der Konferenz befürchten, dass 2010 viele kommunale Büchereien vor dem Aus stehen könnten und fordern einen “Rettungsschirm“ von der Politik. Im Vergleich zu skandinavischen Ländern seien Bibliotheken in Deutschland freiwillige Aufgabe der Kommunen, die in Krisen schnell den Rotstift ansetzten.

2007 haben die rund 300 wissenschaftlichen Bibliotheken laut Hohoff rund 280 Millionen Euro für den Aufbau neuer Datenbanken und elektronischer Medien ausgegeben. Das scheine nur auf den ersten Blick viel. “Für hoch spezialisierte Publikationen verlangen Verlage und Einrichtungen immer höhere Preise.“ Die Folge: Die Bibliotheken müssen sich auf wichtige Publikationen beschränken oder schließen sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammen, um die Breite des Angebots zu erhalten.

“Wer die Veröffentlichungen aber für die eigene Arbeit braucht, dem bleibt oft nichts anderes übrig, als sie zu kaufen.“ Nur vereinzelt sei es gelungen, mit den Verlagen “vernünftige Preise“ auszuhandeln. Bibliotheken als Bildungseinrichtungen müssten aber auf dem neuesten Stand sein, um nicht an Attraktivität zu verlieren.

Ob Goethe oder Boccaccio - für digitalisierte Literatur, Ratgeber, Nachschlagewerke oder Reiseführer sind die Bibliotheken nach eigenen Angaben technisch bestens gerüstet. Die beiden Bibliothekar-Verbände bieten den Verlagshäusern an, technische Lösungen für einheitliche Standards zu testen.

Die unterschiedlichen Betriebsmodelle seien derzeit ein großes Problem für die Nutzer. “Die analoge Welt einfach auf die virtuelle zu übertragen, das funktioniert nicht“, sagte die Vorsitzende des Berufsverbandes Information Bibliothek, Susanne Riedel.

Die Bibliothekare beobachteten mit Spannung den Ausgang der Pläne des Konzerns Google, im Internet auch Bücher zu veröffentlichen, deren Urheberrecht noch geschützt ist.

dpa

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