Das Elend des Nicht-Geliebtseins

- "Manchen Regisseuren gelingt es, die Stücke größer zu machen, als sie sind", sagte die offensichtlich blitzgescheite 24-jährige Britin Lucy Prebble im Publikumsgespräch nach ihrem "Zuckersyndrom" bei der "Jungen Dramatiker"-Show der Münchner Kammerspiele. Ob sich das auch die Landsmännin Joanna Laurens eingestanden hat, als ihr nicht so ganz ausgereiftes Familiendrama "Fünf Goldringe" im Juli bei den Salzburger Festspielen dank Christiane Pohle dennoch zu einem "Young Directors Project"-Erfolg wurde?

<P>Zu Recht auch anhaltender Applaus bei der Münchner Premiere (Großes Haus) dieser Kammerspiele-Koproduktion. Dem Text kann man, zugegeben, ablehnend gegenüberstehen: ein nur noch an der Vergangenheit klammernder Vater, eine Mutter, die egozentrisch früh das "Puppenheim" verließ, die beiden in Kindertagen sich sexuell miteinander ausprobierenden Söhne und jetzt das Fremdgehen des einen mit der Frau des anderen - das sind, in einem Versatzstück-Arrangement, ziemlich dürre Figuren (wäre mal interessant zu schauen, ob es in der jüngeren Dramatik überhaupt noch runde Charaktere gibt).<BR><BR>Aber so wie Pohle sie aus den zerschlissenen Stellen von hässlich wattierten "Abschott-Wänden" (Ausstattung: Marie-Alice Bahra) gleichsam als geträumte Gespenster ihrer selbst herauskriechen und aufeinandertreffen lässt, ist da in dieser ocker-öden Wohnwüste plötzlich eine melancholisch-verzweifelte, weihnachtliche Fest-Anstrengung. Trotz papierener Vorlage wird eine allseitige Beziehungsnot spürbar, das Betrügen, die Eifersüchte, das Elend des Nicht-Geliebtseins.<BR><BR>Die Sprache als ein Ausdruck von Gefühl</P><P>Eine Leistung nicht zuletzt der Schauspieler: Walter Hess (Vater), Karin Pfammatter und Katharina Schubert (Schwiegertöchter). Ihnen, vor allem dem wandelbaren Wolfgang Pregler und dem feinnervigen Matthias Bundschuh als Konkurrenz-Brüder, gelingt es sogar, die gelegentlich vom Inhalt weg poetisch ausscherenden Passagen so zu sprechen, dass diese Kunstsprache wie selbstverständlich zum Ausdruck von Gefühl wird.<BR><BR>Laurens ist gerade mal 26, dies erst ihr zweites Stück. Aus Pohles Inszenierung kann sie auch etwas gelernt haben. Notwendig und ja auch spannend, dass Intendant Frank Baumbauer solche Entwicklungs-Chancen ermöglicht.<BR><BR><BR></P>

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