Elisabeth Kulman ist oft in München zu hören – ob im Konzert, an der Oper oder Open Air. Foto: Elisabeth Novy

Elisabeth Kulman: Konzerte sind „meine eigentliche große Liebe“

München - Wenn Thomas Hengelbrock heute Abend im Herkulessaal Felix Mendelssohns „Erste Walpurgisnacht" dirigiert, wird dort unter anderem auch Mezzosopranistin Elisabeth Kulman mit von der Partie sein, die sich 2010 mit Glucks „Orfeo" bei den Salzburger Festspielen endgültig in die Oberliga ihres Stimmfachs gesungen hat.

Dabei deutete die Karriere der Österreicherin zunächst in eine ganz andere Richtung.

-Meist gibt es eher ambitionierte Mezzos, die den Sprung nach oben wagen, um endlich ihre ersehnte „Tosca“ zu singen. Bei Ihnen lief es in die andere Richtung.

Stimmt, aber finden Sie es nicht auch viel sympathischer, von oben nach unten zu gehen und ganz bescheiden zu werden? (Lacht.) Bescheiden ist vielleicht das falsche Wort. Immerhin gibt es doch auch für Mezzo viele schöne Aufgaben. Na ja, die ganzen populären Opern scheinen irgendwie für Sopran und Tenor zu sein. Als Mezzo hat man seine „Carmen“ - und das war es. Da ist man beinahe gezwungen, sich seine eigenen Nischen zu suchen. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Oper gemacht, Orfeo, Mrs. Quickly oder die Fricka zum Beispiel. Dahinein versuche ich aber immer wieder, Konzerte und Liederabende zu integrieren, weil dort meine eigentliche große Liebe liegt. Und ich genieße es sehr, diese ganzen unterschiedlichen Dinge zu machen.

-Viele Kollegen suchen ihr Heil trotzdem in der Spezialisierung.

Das muss jeder für sich entscheiden. Je beschränkter man sich als Künstler verhält, umso leichter ist man natürlich vermarktbar. Aber mir ist wichtiger, dass ich mich als Sängerin weiterentwickle und der Beruf für mich interessant bleibt. Dadurch bin ich wahrscheinlich nicht so leicht zu vermarkten wie andere. Doch das ist mein Weg.

-Genau wie der Wechsel zum Mezzo?

Für mich war auch das eine ganz natürliche Entwicklung. Obwohl so ein „Abstieg“ leider oft negativ gesehen wird. Sicher bin ich dankbar, dass ich Rollen wie Pamina oder die Gräfin im „Figaro“ singen konnte. Doch was hilft es, wenn man die hohen Töne zwar hat, aber immer mehr Kraft braucht, um sie zu erreichen? Man sieht ja oft, wo so etwas hinführt: gerade im dramatischen Fach zu einer deutlich geringeren Halbwertszeit. Da sind wir wieder bei den Spezialisten. Kaum fängt man an, Wagner zu singen, wird man schubladisiert. Die kann Wagner, also kann sie nichts anderes mehr. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass meine nächste Premiere an der Wiener Staatsoper jetzt „Anna Bolena“ von Donizetti sein wird.

-Und welche neuen Herausforderungen gibt es in Sachen Lied?

Gerade eben komme ich aus Russland, wo ich mit einem sehr speziellen Lied-Projekt auf Tournee war, das sich um Mussorgsky dreht und mir sehr am Herzen liegt. Da trete ich mit einigen Jazzmusikern auf, die über diese Melodien improvisieren. So wie früher zum Beispiel auch ein Bach an der Orgel improvisiert hat. Also kein böses Crossover! (Lacht.) Wir nehmen den Komponisten sehr ernst. Und deshalb kommt es wohl auch bei den Leuten so gut an.

-Wie sieht es mit Plänen für München aus?

Bei „Nabucco“ jetzt an der Staatsoper musste ich leider die letzten Vorstellungen absagen, aber man hat mich dort wieder für zwei Wagner-Partien angefragt. Davor gibt es noch eine „Matthäuspassion“ und natürlich das Open-Air-Konzert am Odeonsplatz.

-Haben Sie bereits Freiluft-Erfahrung gesammelt?

Ich habe schon einen Open- Air-„Nabucco“ gemacht, und vom Singen her ist es für mich eigentlich kein Unterschied. Man darf sich da einfach nicht von den Dimensionen irritieren lassen. Das einzige wirkliche Problem ist, dass man sehr vom Wetter abhängt. Aber zumindest der Schnee wird bis Juli hoffentlich weg sein. (Lacht.) Außerdem ist es ein Konzert, bei dem ich einfach wahnsinnig gerne mit dabei sein wollte.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

Konzerte

heute und morgen im Herkulessaal. „Klassik am Odeonsplatz“ am 16. Juli.

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