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Erotisches Spiel mit der dunklen Macht: Elisabeth (Roberta Valentini) und der Tod (Mark Seibert)

Totentanz mit Kaiserin

Elisabeth-Musical kommt nach München

München - Das Musical „Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“ gastiert demnächst im Deutschen Theater München. Es zeichnet ein anderes Bild von der österreichischen Kaiserin als die Romy-Schneider-Filme.

Vorbei geht es an den Touristen, durch eine unscheinbare Tür, über eine breite Treppe, durch eine weitere Tür und über karge, geflieste Gänge. In einer der 180 Privatwohnungen von Schloss Schönbrunn wartet Elisabeth von Österreich. Das könnte man zumindest auf den ersten Blick meinen.

Die hübsche, sehr schlanke Frau im voluminösen Kleid und mit den Edelweiß-Sternen im kunstvoll geflochtenen Haar scheint geradewegs dem bekannten Gemälde von Franz Xaver Winterhalter entstiegen zu sein.

Es ist Musical-Darstellerin Roberta Valentini, die in „Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“ die Titelrolle übernommen hat. In der Wiener Wohnung des Komponisten Sylvester Levay präsentiert sie sich erstmals Pressevertretern. Das erfolgreichste deutschsprachige Musical geht wieder auf Tour. Im kommenden Frühjahr ist es im Deutschen Theater in München zu Gast. Mit Roberta Valentini und Maximilian Mann steht ein neues Kaiserpaar auf der Bühne. Mark Seibert spielt weiterhin die Rolle des Todes.

Bewusste Distanz zu Filmen aus 1950er-Jahren

In bewusster Distanz zu den Filmen aus den Fünfzigerjahren stellen Komponist Levay und Librettist Michael Kunze das Leben der österreichischen Kaiserin als Totentanz dar. „Wir erzählen nicht die Geschichte der Sissi, sondern die der Elisabeth“, sagt Kunze. „Sie war eine starke, gebildete und moderne Frau und ist bis heute eine der faszinierendsten historischen Gestalten unserer Zeit.“

Dieser Faszination kann sich der heutige Wien-Besucher kaum entziehen, Elisabeth tritt ihm an zahlreichen Orten entgegen. So blickt sie von vielen Bildern und Fotos in den spartanisch eingerichteten Arbeits- und Wohnräumen Kaiser Franz Josephs in Schloss Schönbrunn. Er muss sie sehr geliebt haben, doch Elisabeth floh immer öfter vom Hof auf ausgedehnte Reisen. „Die Luft ist schwül und stickig im Spiegelsaal“ singt der Tod in „Der letzte Tanz“.

In einer stillen Ecke des Volksgartens blickt Elisabeth streng auf einen Teich, der von Bänken und Blumen umrahmt ist. Dort wurde ihr 1907 ein marmornes Denkmal errichtet. Nur wenige Schritte sind es zur Hofburg und ins Dunkel des Sisi-Museums. „Und kehr’ in’s Feenreich nach Haus/ Nichts soll mich wiederbringen“, steht über ihrer Totenmaske. Elisabeth schrieb die Zeilen selbst, vor ihrer Realität floh sie auch in poetische Schriften.

Sogar die Feile, mit der sie 1898 in Genf von Luigi Lucheni ermordet wurde, wird gezeigt. Natürlich sind daneben zahlreiche persönliche Gegenstände ausgestellt wie Schönheitsrezepte und Kleider der 1,72 Meter großen und dabei nur 45 Kilogramm leichten Frau. Ihr Körperkult wird ebenfalls in den angrenzenden Kaiserappartements deutlich, in denen der Besucher etwa das Turn- und Toilettenzimmer sehen kann. „Wollt ihr hören, was die Kaiserin quält?“, singt im Musical Lucheni. „Wenn sie in ihrem Kamm die Haare zählt, weint sie vor Kummer, denn sie trauert um ihr Haar!“

Mittelalterlicher Totentanz als erotisches Spiel

Doch Elisabeth war auch eine „Süße“. Sie und der Kaiser ließen sich die Köstlichkeiten der K. u. K.-Hofzuckerbäckerei Demel in die Hofburg liefern. Noch heute ist die Konditorei am Kohlmarkt ein Paradies für Schleckermäuler. Gleich links neben dem Eingang warten aufwändig verzierte Torten und Gebäck in einer Glasvitrine darauf, verspeist zu werden.

Ein weiteres traditionsreiches Geschäft ist der K. u. K.- Hof- und Kammerjuwelier A. E. Köchert. Dort wurde ein Großteil der berühmten Diamantsterne entworfen und angefertigt. „Und will ich die Sterne, dann finde ich selbst dorthin“, heißt es dazu im Stück. Elisabeth hatte den Schmuck im Haar der Königin der Nacht in Mozarts „Zauberflöte“ gesehen. „Der ganze Hof musste nun Sterne tragen“, erzählt Wolfgang Köchert. Vor 15 Jahren legte der Juwelier sie neu auf. Auf grauem Samt, im Hintergrund ein Porträt der Kaiserin, prangen sie als Ketten, Ohrringe oder Broschen in den Vitrinen.

Die Flucht in irreale Welten, die romantische Todessehnsucht wurden besonders stark nach dem Selbstmord von Elisabeths Sohn Rudolf 1889. Im Musical wird der mittelalterliche Totentanz als erotisches Spiel inszeniert – „deshalb ist unser Tod auch so attraktiv“, sagt Michael Kunze augenzwinkernd.

Neun Jahre nach ihrem Sohn ist auch die Kaiserin tot. Wie alle Habsburger wurde sie in der Kaisergruft bestattet. Kühl ist es dort unten. Frische Blumen und Kränze liegen an Elisabeths Sarg. Im Musical singt der Tod: „Der letzte Tanz gehört allein nur mir.“

Vorstellungenvom 26. März bis 7. Juni; Telefon 089/ 55 23 44 44.

Teresa Pancritius

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