Elmar Wepper: "Gelassenheit war für mich immer wichtig"

München - Seit den Siebzigerjahren gehört er zu den verlässlichsten Stars des deutschen Fernsehens. An der Seite von Uschi Glas war Elmar Wepper etwa als liebenswürdiger Mann von nebenan zu sehen, mit seinem Bruder Fritz stand er für die Serie "Zwei Brüder" vor der Kamera. Jetzt, mit 63, spielt er alsWitwer Rudi seine erste große Charakterrolle in Doris Dörries Berlinale-Beitrag "Kirschblüten - Hanami".

Sie sind seit fast 50 Jahren im Geschäft. Hätten Sie sich gedacht, dass Sie noch einmal als Geheimtipp des neuen deutschen Films gelten würden?

Als Schauspieler wird man ja im Leben immer wieder überrascht. Mal ist man enttäuscht, mal freut man sich. Ich habe nie auf das "ganz große Ding" gehofft und gedacht, die müssen doch eigentlich alle auf mich warten. So bin ich einfach nicht. Als mir das Drehbuch zugeschickt wurde, habe ich beim Lesen sofort gespürt, das ist etwas Besonderes. Ich habe diesen Rudi als sehr wesensverwandt mit mir erkannt.

Rudi ist im selben Alter, lebt auf dem Land, arbeitet in einer Behörde, hasst Aufregungen, Veränderungen und Abenteuer. Was davon steckt auch in Ihnen?

Diese bayerische Muffigkeit beispielsweise. Das gefällt mir sehr, dass er so sein darf. Auch wenn er sich stark verändert während seiner Reise nach Japan, haben wir das Grantelnde vom Rudi immer beibehalten. Schon um ihn nicht in Traurigkeit zerfließen zu lassen. Wie der Rudi bin ich jemand, der Veränderungen nicht unbedingt herbeisehnt. Ich muss mir nicht ständig neue Freunde zulegen. Ich muss nicht permanent exotische Länder bereisen. Ich bin froh, wenn ich da hinkomme, wo ich weiß: Dort fühle ich mich wohl. Ich bin ganz gerne zuhause. Meine Frau denkt da glücklicherweise ähnlich. Dieses Suchen nach Neuem, das brauche ich nicht. Insofern ist mir der Rudi in manchen Punkten sehr nah. Was aber auch daran liegt, dass Doris Dörrie die Rolle schon auf mich hingeschrieben hatte. Wir hatten für "Der Fischer und meine Frau" zusammengearbeitet. Da hatte ich eine kleine Rolle, und sie fragte mich einmal nebenbei, ob ich mir vorstellen könnte, mit ihr auf eine Abenteuerreise zu gehen. "Mit dir schon", meinte ich und habe das Ganze zwar rasch wieder vergessen. Aber da hat sie mich dann immer genau beobachtet und die ersten Ideen für das neue Drehbuch gesammelt.

Also ist der Fuji für Sie "auch nur so ein Berg".

Letztlich schon, ja.

Wie empfinden Sie den Rummel auf der Berlinale? Der Rudi wäre ja wenig begeistert.

Wenn ich ehrlich sein soll, so richtig habe ich das alles noch nicht verinnerlicht. Die Tage hier in Berlin mit all ihrer organisatorischen Dichte oder der Bayerische Filmpreis, das ist für mich wirklich etwas Besonderes. Gerade, wenn man den Beruf wie ich schon so lange macht. Auf einem solchen Festival dabei zu sein, das ist eine Ehre, und es ist natürlich ein komplett anderes Forum als ein Fernsehpublikum. Aber irgendwann lichtet sich der Nebel, und wenn ich mit meinem Hund zuhause spazieren gehe, schaut alles schon wieder ganz anders aus.

Sie mussten für Ihre Rolle Butoh-Tanzen lernen.

Ja. Ich finde, das gehört zu meinem Handwerk einfach dazu, dass man auch einen gewissen körperlichen Einsatz zeigt. Vielleicht muss man in meinem Alter jetzt nicht mehr jeden Stunt selbst machen. Seit ich mir bei einem Reitunfall einen Fuß gebrochen habe und gleich ein Vierteljahr außer Gefecht war, bin ich da etwas vorsichtiger geworden. Aber in diesem Film wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Figur herzuschenken und zu sagen: Jetzt doubelt das mal bitte.

Sie tragen im Film die Kleider Ihrer verstorbenen Frau oder tanzen im Butoh-Kostüm mit dieser auffälligen Maske vor dem Fuji. Kostete das Überwindung?

Das ist auf eine gewisse Art Alltagsgeschäft. Man hat als Schauspieler zwar selten eine solche Maske zu tragen. Aber das gehört für uns Schauspieler einfach dazu. Auch die Frauenkleider. Das erfordert die jeweilige Rolle, und dann macht man das eben. Wichtig ist immer nur, dass es tatsächlich zur Figur passt. Wenn das so ist wie in "Kirschblüten", dann bin ich da nicht ein bisschen genant.

Den Bayerischen Filmpreis haben Sie bereits gewonnen. Jetzt munkelt man vom Silbernen Bären und einer Nominierung für den Deutschen Filmpreis.

Ach, lassen wir die Dinge einfach geschehen. Ich beschäftige mich gar nicht damit und liege auch nachts deswegen nicht wach. Es kommt, wie es kommt.

Woher nehmen Sie diese Gelassenheit?

Warum sollte ich mich damit beschäftigen? Ich bin kein Spekulant, auch im Sinne von Hoffnungen. Ich gehe nicht hoffnungslos durchs Leben, aber derartige Dinge sehe ich ganz fatalistisch. Es würde mich freuen, wenn das eine oder andere passiert, gar keine Frage. Aber wenn ich mich im Vorfeld schon aufpumpe, und es wird nichts draus, dann stürzt man doch viel tiefer runter. Gelassenheit war für mich immer schon wichtig. Die kann man auch üben, wie die meisten Tugenden.

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