Elton John in der Oly: Greater können Hits kaum sein!

München - Greater können Hits kaum sein! Jung-Papa Elton John zeigte in München, dass ihm Schlafmangel, frühkindliche Verdauungsprobleme und Babystress nichts anhaben können.

Elton John: Tour-Auftakt in München

Elton John: Tour-Auftakt in München

Zum Deutschland-Start seiner „Greatest Hits“-Tour in der ausverkauften Olympiahalle brachte der kleine große Pianoman 23 seiner schönsten Schöpfungen (neben Filius Zachary, sechs Monate alt) mit – Jahrhundertsongs von „Goodbye Yellow Brick Road“ bis „Don't Let The Sun Go Down On Me“. Mit solchen genialen Klassikern hatte es der Sir nicht schwör. Auch wenn das Konzert wenig Überraschendes bot – Elton bewies den Münchnern: I’m still standing! Und dafür musste er seinen Klassiker aus dem Jahr 1983 noch nicht einmal spielen.

Im Frackmantel mit Blumen auf den Ärmeln und Totenkopf auf dem Rücken, ein Hauch von Ed Hardy, aber ohne Designer-Spucktuch auf der Schulter, kam Elton John pünktlich auf die Bühne, begab sich an den Flügel und begann symphonisch mit „Funeral For A Friend“. Doch so getragen blieb es nicht lange: Spätestens bei „Philadelphia Freedom“ beschlossen die Fans, frei nach David Bowie: „Dann sind wir Elton, für einen Tag.“ Der Maestro, der sich zweieinhalb Stunden lang hinter einer schlichten braungetönten Brille versteckte, warf die Hitmaschine an, verlegte die „Yellow Brick Road“ in den Olympiapark und hob als „Rocket Man“ ab ins Weltall. Ein „Pocket Man“ ist er wahrlich nur körperlich.

Auch wenn der übersteuerte Sound alles andere als hitverdächtig war und Eltons Gesang gerade bei Uptempo-Songs bisweilen unterging – bei den Balladen wie „Levon“ oder, natürlich, „Your Song“ bewies er, dass er auch mit 64 und nach vielen vielen Las-Vegas-Auftritten noch erstaunlich kraftvoll bei Stimme ist.

Die Bühnenshow blieb sparsam – egal, im Mittelpunkt stand ohnehin nicht die Optik, sondern Eltons Hitparade. Als er zwischendurch seine neuen Babys vorstellte, drei Stücke vom aktuellen und gar nicht so üblen Album „The Union“, entschuldigte er sich gar beinahe verlegen: „Ich weiß, es ist schwierig, sich neue Songs live anzuhören.“ Wäre gar nicht nötig gewesen: Vor allem „Hey Ahab“ rockte die Halle – und nicht nur hier machte Eltons Band um Dauer-Drummer Nigel Olsson (seit 1969 im Dienst), Gitarrist Davey Johnstone (seit 1971) und das exzellente kroatische Duo „2 Cellos“ ordentlich Dampf.

„I Guess That’s Why They Call It The Blues“, verwandelten Eltons Getreue beinahe in einen echten Blues, am Ende von „Madman Across The Water“ improvisierte der Chef genüsslich am Flügel – vielleicht die einzigen Überraschungen. Ansonsten blieb die Show ein gediegenes, blitzsauberes Greatest-Hits-Konzert mit der gewissen Patina, die man von Elton John erwartet. Nichts Neues – aber wunderbares Altes. Da stört’s keinen, dass der Crocodile Rock langsam zum Crocodile Barock wird. Daddy bleibt cool.

Jörg Heinrich  

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Rubriklistenbild: © dpa

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