Wie man dem Ende entgeht

- Zwei richtig gute Schauspieler. Der eine eine Berühmtheit allseits und in München ganz besonders. Geradezu magisch zieht er die Zuschauer an. Der andere, viel jüngere ist einer, dessentwegen man in Berlin ins Theater geht, der aber in München ein noch ziemlich unbeschriebenes Blatt ist. Ausgenommen für jene, die ihn im vergangenen Sommer als Dieter Wedels "Nibelungen"-Siegfried in der Fernsehübertragung aus Worms gesehen haben.

<P>Die Rede ist hier von Götz Schubert (39) und - natürlich - Thomas Holtzmann (75). Beide stehen sie nun zusammen auf der Bühne des Münchner Residenztheaters. Dort hat heute Abend Samuel Becketts "Endspiel" Premiere. Es inszeniert die Schweizer Regisseurin Barbara Frey. Holtzmann ist Hamm, Schubert spielt den Clov. <BR><BR>Versuche mal einer, im Berliner Deutschen Theater Karten für "Helden wie wir" zu bekommen! Diese Vorstellung ist Kult sozusagen. Gerade hat Götz Schubert, der dem Ein-Personen-Stück nach Thomas Brussigs gleichnamigem Roman zu ungeheurem Erfolg verholfen hat, die 154. Vorstellung gespielt - und kein Ende ist abzusehen. </P><P>Ein mit allen Entertainer-Finessen gesegneter, hochversierter Schauspieler. Vor einem Jahr - Anlass war der Intendantenwechsel von Thomas Langhoff zu Bernd Wilms - ist er aus dem Festengagement ausgestiegen. Und seit ungefähr dieser Zeit umwerben Dieter Dorn und sein Chefdramaturg Hans-Joachim Ruckhäberle den Schauspieler. Nun also Götz Schubert zum Ersten. <BR><BR>Nun also nach 14 Jahren Berlin der Reiz, sich vor neuem, vor Münchner Publikum zu behaupten? Schubert schüttelt den Kopf: "Das Schöne ist doch hier, dass ich erst einmal gar nichts behaupten muss, denn ich fange ja eigentlich wieder ganz von vorn an. Wenn`s nicht klappen, wenn ich unter Druck geraten sollte, komme ich eben nicht wieder." <BR><BR>Nein, eingeschüchtert von seinem Partner, der Legende Holtzmann, fühlt er sich keineswegs. "Ich bin aus dem Osten. Ich habe nicht mit Thomas Holtzmann die Geschichte, die die Schauspieler im Westen mit ihm haben." Natürlich, auch als junger DDR-Schauspieler kannte er ihn, aber doch immer über die Grenze hinweg, aus einer politisch bedingten Distanz, weniger in Ehrfurcht erstarrt. Schubert: "Darum kann ich viel unbefangener in der Arbeit mit ihm sein als vielleicht andere." <BR><BR>Beckett, bekennt Schubert, habe er noch nie gespielt. Aber das Angebot aus München habe ihn deshalb so interessiert, "weil das ein spannend guter Text ist". Und auch ein genauso schwieriger: "Entweder man spielt den puren philosophischen Gehalt, dann wird`s bierernst, oder man nimmt`s leicht, dann wird es harmlos. Das ist die Crux an dem Stück, dass es so verschiedene Ebenen hat und man nicht nur jeweils eine spielen darf. Genau damit haben wir zu kämpfen." Doch was der Titel suggeriert - "ein Stück über den Tod, ein Melodram über das Ende allen Lebens" -, das sei das "Endspiel" nicht. "Es geht zwar um das Ende, aber darum, wie man dem Ende entgeht. Hamm und Clov sind recht vitale, kämpferische Figuren. Keine Jammerlappen. Eher lebensbejahend." <BR><BR>"Die Theater sind zu Spezialitäten-Restaurants geworden." <BR>Götz Schubert <BR><BR>Vorausgesetzt, es funktioniert alles gut mit seinem Debüt am Residenztheater, und das Angebot aus München würde sich noch einmal dringlich konkretisieren, käme ein Wechsel von Berlin nach Bayern in Frage? Der Sachse Schubert: "Das ist nicht so einfach mit mir, weil ich mich nicht leicht verpflanzen kann, vor allem wegen der Kinder, die ja noch zur Schule gehen." Außerdem koste er gerade erst kurze Zeit von der Freiberuflichkeit. Er wolle zunächst probieren, sich darin zurechtzufinden. <BR><BR>"Es gibt ja kaum noch Bühnen, die ohne Wanderensemble auskommen. Dorn versucht, die rühmliche Ausnahme zu sein. Die Theater sind zu Spezialitäten-Restaurants geworden. Ich muss lernen, was und wie ich es lieber mag. Damals, in der kleinen, beengten DDR, führte der Mangel zu einer Schärfe der Sinne. Diese Schärfe muss man sich heute selber antrainieren. Ich muss jetzt schauen, was mir schmeckt" - und was ihm bekommt. Auf diesem Marktplatz der Effekte, der viel Blendwerk mit sich führt, "ist es schwer, einen eigenen Weg zu finden, dass man sich nicht verbiegt. Dass man bei sich bleibt". <BR></P>

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