Am Ende gab es Ovationen

- Mit Richard Strauss und den Wiener Philharmonikern hat Christian Thielemann bereits beste Erfahrungen gesammelt, was als Live-Mitschnitt auf CD (DG, Oktober 2000) dokumentiert ist. Dass Thielmann bei seinem Sommerdebüt während der Salzburger Festspiele jetzt den Renommier-Klangkörper dirigierte, war angesichts seiner Karriere zu erwarten.

<P>Auf dem Programm im Großen Festspielhaus standen natürlich Richard Strauss, aber auch Mozart und der neben Strauss und Giaccomo Puccini um 1920 meistgespielte Franz Schreker, dessen "Vorspiel zu einem Drama" Konzertauftakt war.</P><P>Dem 1914 entstandenen, wortlosen Musikdrama liegt eine unglaublich klangvoluminöse, virtuose Mischtechnik zugrunde, die sozusagen komprimiert die Verlaufsform einer Schreker-Oper abbildet. Doch letztendlich erschöpft sich das teils sensible, teils spannungsreiche Klangspektrum mit seinem dominanten Schlagzeug und Blech. Man ist dankbar für die filigranen Streicherpassagen und den sanften Ausklang des Werkes.</P><P>Der Kontrast zu Mozarts nachfolgendem A-Dur Klarinettenkonzert, KV 622, in Originalfassung von Sabine Meyer auf dem Originalinstrument, der Bassklarinette, gespielt, hätte stärker nicht sein können. Mit samtig weichen Dialogübergängen zwischen Solopart und Orchester, nuancenreich, brillant und elegant, zugleich sehr klar und die dunklen Farben der Komposition auskostend, präsentierte sie das Werk in seiner Klangvielfalt. Von Beginn an zeigte sie ein dezentes Rhythmusgefühl in Korrespondenz mit dem Orchester, das unter Thielemann ein sehr feines Gespür für die Schattierungen offenbarte.</P><P>Auffallend an Thielemanns Dirigat war, dass er von der Körpersprache bei Mozart sofort zum Orchester fand, wohingegen er bei den klangopulenten Schreker- und Strauss-Werken jeweils einige Takte brauchte, seine etwas hölzernen Bewegungen in Einklang mit den Wienern zu bringen. Thielemann, der Lieblingskandidat für die Chefposition der Münchner Philharmoniker, setzte bei Strauss' "Heldenleben" nicht nur auf ästhetisch-schöne Wirkung. Er bot das einsätzig konzipierte Opus mit seinen deutlich gegliederten formalen Abschnitten und Episoden gut ausbalanciert, ließ Raum zur Entfaltung der musikalischen Charakteristika in dieser Tondichtung. Für seine nuancierte Klanggestaltung gab's am Ende Ovationen.<BR></P>

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