Am Ende Wahnsinn

- Freundliche Atmosphäre. Vertrauensvoll blickt ein Porträt von Sigmund Freud von der Wand herab und ein Van-Gogh-Druck besonnt unaufdringlich den Raum, den respektablen Schreibtisch, die vielen einfarbigen Fachbücher und - die Couch: Es ist unverkennbar das Sprechzimmer eines Psychotherapeuten, das sich da auf der Bühne des Münchner Theaters und so fort breit gemacht hat. Wir befinden uns in "Zimmer 45", dem ersten Bühnenstück des deutsch-britischen Autors Allen Drey.

<P>Unverkennbar dem klassischen Therapeutensketch entlehnt sind auch Figuren und Situationen des Zweipersonenstücks: Kommt ein rauer Kerl mit stierem Blick zum Arzt, fällt förmlich mit der Tür ins Sprechzimmer und schwingt sorgenvoll die herausgerissene Klinke in der Hand. "Ich bin die Gabipeutin", sagt verwirrt Gabi, die die Therapeutin ist. Und von dieser Sorte sind auch alle folgenden Gags. Am Ende Wahnsinn.</P><P>Judith Toth spielt Gabi als fahriges, fast hyperventilierendes Nervenbündel mit viel Sinn für Situationskomik. Doch leider immer auf gleichbleibend hohem Energieniveau.<BR>Eine variierte Dosierung, eine feinere Charakterisierung würden ihrer Figur guttun. Und würden Heiko Dietz Patienten gerecht werden, der zwischen kleinem, angstvollem Jungen und verklemmt chauvihaftem Raubein schlingert. </P><P>Regisseurin Stephanie Pedros holt aus dem Zusammenspiel der beiden ineinander Verbissenen, dem psychopathischen Duell, viel heraus.<BR>Doch letztlich kommt ihr das Stück selbst in die Quere: Es verspricht mehr, als es halten kann. Den großen Clou gibt es nicht. Was hier krampfhaft verrätselt wurde, hätte man gerne etwas schlüssiger. Und was allzu deutlich den Klischees entspricht, wünschte man sich fantasievoller.<BR></P><P>Bis 5. Februar. Telefon 089/ 23 21 98 77.</P>

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