Die endgültige Wahrheit

- Rund zwei Jahre lang feierte die Münchner Version des Alpenmusicals "Der Watzmann ruft" große Erfolge. Jetzt greift das Team um die legendäre "Gailtalerin" furchtlos zum Schwert und lässt "Götterschweiß und Heldenblut" fließen: "Siegfried" heißt die neue Produktion der "Watzmann"-Truppe, die am Donnerstag im Lustspielhaus in der Regie von Gabi Rothmüller und Manfred O. Tauchen uraufgeführt wird (bis 1. März, Tel. 089/ 34 49 74).

<P>Nach dem "Rustical" Watzmann nun das "Germanical Siegfried". Wie passt das zusammen?<BR><BR>Tauchen: Wir haben beim "Watzmann" so gut miteinander gearbeitet und so tolle Musiker gefunden, dass wir gemeinsam etwas ganz Neues machen wollten. Was uns besonders liegt, ist irgendein Thema herzunehmen, sei es nun Ritter, Germanensagen, Wildwestfilm oder Bergbauerndrama, und darauf eine Parodie zu spielen. Bei "Siegfried" haben wir uns weder streng an Wagner, noch an das Nibelungenlied gehalten, sondern aus allem eine eigene, die endgültige Wahrheit geschaffen.<BR><BR>Die Nibelungensage wird also nicht als bekannt vorausgesetzt?<BR><BR>Rothmüller: Nein, es gibt keine bildungsbürgerliche Abwatschung, wenn man die deutsche Legendenliteratur nicht beherrscht.<BR><BR>Tauchen: Natürlich haben wir ein paar Textzitate oder musikalische Andeutungen versteckt. Schließlich sind die meisten von uns irgendwann mit dem Nibelungenlied im Deutschunterricht gequält worden. Aber mehr nicht.<BR><BR>Lag der Reiz darin, den Mythos des "Rings" vom Sockel der "ernsten Kunst" zu heben?<BR><BR>Tauchen: Natürlich. Wagner ist eine Riesenkomödie. Das wirklich ernst zu nehmen, ist an sich schon lächerlich. Im Grunde ist das Ganze eine Seifenoper über Gier, Liebe, Verrat, Hass und Machtstreben - eben alle Ingredienzien eines Menschenstückes. Das machen wir zum Thema, aber natürlich in heiterer Form. Mit der Moralkeule muss bei uns niemand rechnen.<BR><BR>Der "Watzmann" hatte längst Kultstatus, als sie ihn neu inszenierten, "Siegfried" ist völlig unbekannt. Ein Risiko?<BR><BR>Tauchen: Das Risiko ist da, klar, vor allem ohne jede finanzielle Förderung. Man kann so eine Sache einfach nur machen, wenn man Leute hat, die sich reinknien und auch mal für geringe Gage spielen. Mit der Mentalität eines Stadttheater-Intendanten geht das nicht. Das merkt man dem Stück dann aber auch an: Der Brettlcharakter, das Persönliche, die fliegenden Schweißtropfen machen seinen Charme aus.<BR><BR>Sie beide haben "Siegfried" mit Alexander Liegl geschrieben, führen Regie und spielen mit. Fliegen bei so einer intensiven Zusammenarbeit nicht auch mal die Fetzen?<BR><BR>Tauchen: Wir haben da eine gute Konfliktlösungsmethode gefunden: Wenn wir verschiedener Meinung sind, wird kontrovers diskutiert und dann machen wir, was die Gabi sagt . . . (lacht)<BR><BR>Sie selbst verkörpern sowohl Göttervater Wotan, seine Tochter Brünnhilde als auch einen Zwerg. Welche Figur ist Ihnen die liebste?<BR><BR>Tauchen: Der Zwerg ist anstrengend, weil man immer gekrümmt geht, der Göttervater leicht, da muss ich mich nicht verstellen (lacht). Und die Brünnhilde natürlich immer das Lustigste, denn wenn ein dicker, alter Mann eine zarte Jungfer spielt . . . Wobei das nie in Travestie oder eine flache Kichernummer abrutschen darf.<BR><BR>In der Vorankündigung wird gewarnt, es werde "heiß, laut und dreckig". Laut ist klar, aber heiß und dreckig?<BR><BR>Rothmüller: Wer je im Lustspielhaus war, weiß, da ist es immer heiß. Und "dreckig" ist der Rockmusik-Sound, eben das, was wir dem feinen kulturellen Bildungsbürgergehabe entgegenstellen möchten. Der ein oder andere Wagnerianer wird sicher klagen: Das ist nicht, was ich erwartet habe. Dann können wir entgegnen: Wir haben es vorher gesagt!<BR><BR>Tauchen: Trotzdem möchten wir nicht einfach alles verspotten. Die Leute sollen sich unterhalten, schöne Musik hören und mit guter Laune rausgehen. Wenn es den Zuschauern nur halb so viel Spaß macht wie uns, dann ist das schon in Ordnung.</P><P>Das Gespräch führte Melanie Brandl<BR><BR></P>

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