Endlose Endabrechnung

- Ein bisschen hat Eos Schopohl überrascht. Man kennt sie als experimentelle, zumindest eigenwillig Grenzen aufbrechende Theaterfrau. Und da sitzt man jetzt im Pasinger Theater Viel Lärm um Nichts, einigermaßen perplex: Bodo Kirchhoffs Monolog "Mein letzter Film", ganz traditionell vom Blatt inszeniert, ist das wirklich Schopohl? Aber gut, auch eine Regisseurin braucht mal Abwechslung.

"Traditionell" ist allerdings, entgegen gängiger Meinung, gar nicht so leicht, verlangt eine Konzentration auf den Text, verlangt klanglich-musikalische und damit inhaltliche Gestaltung -und Schauspielkönnen. Möglicherweise hat Schopohl mit Gabi Geist bewusst gegen den Strich besetzt. Aber die naturbelassene, bairisch spröde Diktion der Geist, die in volkstheaternahen Stücken und Achternbusch-Streifen sicher eine Farbe abgibt, war doch sperriges Hindernis in dieser Lebensbilanz einer einst erfolgreichen TV-Seriendarstellerin.

Kirchhoffs Anti-Heldin, die mit 60 erkennt, dass sie von ihrem Regisseur-Ehemann ausgebeutet wurde, inszeniert ihren ganz privaten Film: Zwischen tütenförmigen Edelwaschbecken und freistehender Wanne (die Nasszelle als Seelen- Reinigungsbad?) sammelt Gabi Geist Erinnerungsstücke für den Abschiedskoffeaus dem alten Leben zusammen und spricht in die beiden von ihr immer mal wieder umgestellten Live-Kameras: ziemlich endlose Endabrechnungen mit dem Vampir von Ex-Gatten nebst Erinnerungen an sonstige Lover.

Gabi Geist schlägt sich wacker, aber dass man diesen einsamen Zwiegesprächen einer zu spätem Befreiungsschlag ausholenden abwelkenden Schönheit mit gespanntem Interesse zuhören würde, kann man nicht sagen. Man leidet eher mit der Geist, die sich da in eine ihr nicht "sitzende" Rolle zwängt. Sie braucht einen auf sie zugeschriebenen Text, um unverkrampft loslegen zu können. 

Infos: 089/ 83 420 14

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