Energie und Brillanz

- Über Birtwistle, einen Bewunderer der zweiten Wiener Schule, und Berg, einen ihrer führenden Vertreter, führte der Weg zurück zu Schubert - zu seiner großen C-Dur-Symphonie. Als Herausforderer bei diesem klug konzipierten und spannenden Programm trat Franz Welser-Möst ans Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (Gasteig).

Der sachlich agierende, sich in seiner Gestik zuweilen auf minimale Signale reduzierende Dirigent traf den Nerv des Orchesters. Es musizierte brillant und nicht ohne Leidenschaft. Denn die kam trotz klarer Analyse bei Welser-Möst nicht zu kurz. Das zeigte sich schon bei Alban Bergs Drei Orchesterstücken op. 6. Diese hochkomplexen Gebilde verwiesen in ihrer klanglichen wie formalen Kühnheit zunächst einmal Harrison Birtwistles gerade einmal ein Jahr altes "Night's Black Bird" auf die Plätze.<BR><BR>Das Stück beginnt als ein düsterer Albtraum, der sich immer wieder aufbäumt, den aber schon bald zarte, melancholische Töne der Flöte durchkreuzen. Mit Vogelstimmen à` la Messiaen hellt Birtwistle die Finsternis in diesem zweiten Teil seines von einem Dowland-Lied inspirierten Dyptichons auf. Zuletzt setzt er mit einem hellen Trompetenstoß einen Schlusspunkt unter die nächtliche Dunkelheit - eher ein Appetithäppchen.<BR><BR>Berg stachelte den Ehrgeiz der BR-Symphoniker an: In toto, wie auch in den Einzelstimmen, die gerade im "Wozzeck"-nahen "Reigen" immer wieder wie Lichter aufschienen. Welser-Möst agierte souverän, immer bedacht auf Transparenz - auch in den brutalen, bedrohlichen Steigerungen des Marsches.<BR><BR>Dass die heile Wiener Welt auch zu Schuberts Zeiten schon ihre Schründe hatte, ließ sich bei der C-Dur-Symphonie nicht überhören: Moll-Eintrübungen und schroffe Akzente gefährdeten die Idylle, die die Oboe, unterstützt von ihren Holz-Kollegen, im zweiten Satz beschwor. Wunderbar in seiner Vergeblichkeit auch das Trio des Scherzos. Welser-Möst achtete auf einen schlanken, drahtigen Klang, schälte Nebenstimmen heraus, schürte die innere Unruhe, ohne die "himmlischen Längen" zu durchhetzen und bündelte zuletzt noch einmal alle Energien zu einem explosiven Finale.<P><BR> </P>

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